KOMMENTAR

Vertrauenskrise zur Unzeit

von Redaktion

Ärger um Reiters FC-Bayern-Amt

Einen schlechteren Zeitpunkt für einen Skandal, vielleicht auch nur ein Skandälchen, kann es nicht geben: Unmittelbar vor der Kommunalwahl kommen massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter auf. Erst auf Druck räumte er ein, dass er bereits seit Ende 2021 für seinen Posten im Verwaltungsrat des FC Bayern 20.000 Euro im Jahr bekommen hat. Laut Beamtenrecht aber sind Nebeneinkünfte ab 10.000 genehmigungspflichtig. Der Diplom-Verwaltungswirt, der sein ganzes Leben in diversen städtischen Referaten Karriere machte, will das nicht gewusst haben. Jetzt droht dem OB, der sein Amt stets untadelig ausübte, ein Disziplinarverfahren.

Um es klar zu sagen: Dass ein Oberbürgermeister in den Gremien von Vereinen oder Konzernen seiner Stadt sitzt, ist völlig normal. Auch, dass es dafür eine Aufwandsentschädigung gibt. Und vermutlich stimmt sogar Reiters Feststellung, dass ihm der Stadtrat den Posten selbstverständlich genehmigt hätte.

Gerade für einen SPD-Politiker, der für die kleinen Leute eintreten will und im Wahlkampf eine Vertrauenskampagne wie einst Angela Merkel („Sie kennen mich“) fährt, zeugt das Vorgehen von fehlendem Fingerspitzengefühl. Das gilt erst recht für Reiters Krisenmanagement in dieser Woche. Die Antikorruptionsrichtlinie der Stadt München schreibt vor, dass selbst Müllmänner kein Bargeld annehmen dürfen – explizit auch nicht in der Weihnachtszeit. Sachgeschenke sind einmal jährlich bis zu 25 Euro erlaubt. Wer solche Vorgaben macht, muss mit eigenen Einnahmen transparent umgehen.

Seit Freitag lässt Reiter seine Ämter beim FC Bayern ruhen. Unmittelbar vor der Wahl brennt es lichterloh!

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