Briefwähler müssen brummelnd ihre Küchentische freiräumen für die riesigen Zettel. Beim Auffalten im Wahllokal am Sonntag werden sich viele die Ellbogen anhauen. Mühsam ist das mit dieser Kommunalwahl, kompliziert – so viele Kandidaten, so große Zettel, so viele Stimmen. Lohnt sich das für die vermeintlich nachrangige Frage, ob nachher Müller/Maier/Huber im Rathaus hocken? Kurz gesagt: Oh ja!
Wenig ist wichtiger als diese Kommunalwahl. Denn kein Politiker hat mehr Einfluss auf den Ort als die gern unterschätzten Lokalpolitiker. Die Lebensbedingungen der Menschen, gerade jener, die mit ihrer Heimat verbunden sind, prägen die Bürgermeister und ihr Gemeinde-/Stadtrat stärker als jeder Weltpolitiker.
Genau dafür ist das bayerische Wahlsystem goldrichtig, weil es zwar kompliziert ist, aber den Wählern wirklich die Wahl lässt. Von Millionenstadt bis Dorfgemeinde greift das gleiche Prinzip: Die Wähler können aus den Listen präzise herausgreifen, welche Kandidaten ihre Interessen vertreten sollen. Und welche nicht. Sie können Bewerber mit gehäufelten Stimmen hervorheben, sie können quer über mehrere Parteien hinweg gezielt die Personen raussuchen, denen sie die Verantwortung zutrauen. Das ist maximale Demokratie – und ein Segen, verglichen gerade mit dem rückständigen Wahlrecht für Bund und – besonders bitter – Europa, wo vorgefertigte, starre Parteilisten abzunicken sind. Nebeneffekt: Dieses starke Wahlrecht gibt den Gewählten eine viel höhere Legitimation. (Übrigens: Wem das zu mühsam ist, der kann auch einfach sein Listenkreuz setzen.)
All die Auswahl gibt es, weil Zehntausende für Ämter kandidieren. Auch das ist ein großes Glück für Bayern. Denn es werden vielerorts weniger Bewerber, verwunderlich ist das nicht. Viele kommunale Posten sind fordernd, meist mäßig honoriert, oft ungemütlich. Wer lokal kandidiert, muss sich täglich vor Ort für sein Tun rechtfertigen. Wird angesprochen beim Bäcker, vor der Kita. Geschimpft. Manchmal beschimpft, in Zeiten digitaler Zügellosigkeit leider auch bedroht. Und es ist kein Personenschutzkommando da wie beim Kanzler, nicht mal ein persönlicher Referent, statt dessen manchmal die Familie, die‘s auch noch mit abbekommt. Respekt für alle, die das auf sich nehmen.
Ein Kreuz mit den Kreuzln? Halb so wild. Schön wär‘s, wenn diesmal deutlich mehr als jeder Zweite zur Wahl geht und mitmacht bei den Entscheidungen für die Heimat.