München – Es ist eine faustdicke Überraschung. Eigentlich hatten sie im Kreis Miesbach mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jens Zangenfeind (FW) und Franz Schnitzenbaumer (CSU) gerechnet. Doch am Sonntagabend ist relativ früh klar, dass der einst tiefschwarze Landkreis sich eher Richtung Orange bewegt. Der Freie Wähler liegt mit rund 45 Prozent deutlich vor dem CSU-Konkurrenten (rund 25 Prozent). Beide gehen in die Stichwahl.
„Ich habe Jens Zangenfeind ja viel zugetraut“, sagt Florian Streibl, Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag, unserer Zeitung. „Aber diese CSU-Hochburg so zu locken, dazu gehört schon was.“ Streibl spricht von einer „großen Überraschung“.
Die Freien Wähler erleben insgesamt einen ziemlich ordentlichen Kommunalwahlabend. Im Markt Garmisch-Partenkirchen wirft Daniel Schimmer (FW) die amtierende Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) schon im ersten Wahlgang aus dem Amt. Im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wo der beliebte Landrat Josef Niedermaier (FW) nach drei Amtszeiten aufhört, schafft es sein Parteikollege Ludwig Schmid in die Stichwahl gegen Thomas Holz (CSU). Wenn auch nur als Zweitplatzierter.
Nach der Kommunalwahl 2020 stellten die Freien Wähler 14 Landräte. Streibl ist guter Dinge, die Zahl halten, vielleicht sogar etwas ausbauen zu können, hier und da auf Kosten der CSU. Droht da Ärger in der Regierungskoalition? Der Fraktionschef winkt ab: „Ich gehe davon aus, der Koalitionspartner wird professionell damit umgehen.“
In der AfD hatten sie eigentlich gehofft, die CSU ebenfalls ärgern zu können, hier und da womöglich in eine Stichwahl zu zwingen. Vor allem Parteichef Stephan Protschka war guter Dinge. Doch am Ende unterlag er deutlich dem CSU-Amtsinhaber Werner Bumeder. Auch der Landtagsabgeordnete Andreas Winhart verpasste im Kampf um das Rosenheimer Landratsamt die Stichwahl. Enttäuscht? Ein wenig. Unterm Strich aber habe man „ein gutes Ergebnis geholt“. Gerd Mannes, der sich in Kreis Günzburg um den Landratsposten bewarb, formuliert es klarer: „Die AfD und ich selbst haben im Vergleich zum letzten Mal stark zugelegt. Wir sind klar Nummer zwei.“ Mannes kam zwar, wie bei der Landtagswahl 2023, auf das stärkste AfD-Ergebnis. Trotzdem: keine Stichwahl.
Bayerns Grünen blicken am Sonntag zumindest mit einem Auge nach Baden-Württemberg und, natürlich, nach München. Und die Ergebnisse im übrigen Bayern? „Sehr positiv“, findet Landtagsfraktionschef Katharina Schulze und verweist zum Beispiel auf Neuburg an der Donau: Dort geht der Grüne Gerhard Schoder gegen Matthias Enghuber (CSU) in die Stichwahl. Das einzige grün besetzte Landratsamt in Miltenberg ist allerdings futsch.MMÄ