Bürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen. Weil sich deren Qualität aber über die Parteien hinweg mehr oder weniger gleichmäßig verteilt, sind die Ergebnisse am Ende doch immer auch ein Stimmungstest. Ob die gut zehn Millionen wahlberechtigten Bayern mit ihm und seiner CSU zufrieden sind und wie stark die AfD nun auch in den Städten und Gemeinden an den Prozenten der alten Staatspartei nagt, wird Ministerpräsident Markus Söder erst zu Wochenbeginn wissen, wenn die addierten Zahlen vorliegen. Die 33 Prozent, die ein Umfrageinstitut der CSU zuletzt vorhersagte (nach 34,5 Prozent im Jahr 2020 und 39,7 Prozent 2014), könnte Söder seinen Parteifreunden als Beleg dafür verkaufen, dass die CSU in Bayern mit ihm halbwegs stabil dasteht – erst recht mit Blick auf die böse Überraschung, die die lange so siegessichere Schwester CDU im benachbarten Ländle erlebte.
Während noch nicht ganz klar ist, wer gestern gewonnen hat, steht die Verliererin fest: Es ist die SPD, die ihre Dominanz in den das Land kulturell prägenden Metropolen verloren hat. In Augsburg und auch im bisher rot regierten Regensburg liegen die CSU-Frauen Eva Weber und Astrid Freudenstein vor den Stichwahlen weit vorn. In der alten SPD-Hochburg Nürnberg, in der nach dem Krieg 70 Jahre lang Genossen das Zepter schwangen, führt der seit 2020 regierende CSU-OB Marcus König wohl uneinholbar mit 46 Prozent.
Alles in den Schatten aber stellt der Wahlschock für die Sozialdemokraten in München. An der Isar droht der todsicher geglaubte Sieg in der Stichwahl an die Grünen verloren zu gehen. Deren junger Spitzenkandidat Dominik Krause ließ den 67-jährigen Amtsinhaber Dieter Reiter buchstäblich alt aussehen. Vor allem profitierte er auf den letzten Metern von haarsträubenden Fehlern des hochmütig gewordenen Rathauschefs in der Affäre um nicht genehmigte Nebeneinkünfte als FC-Bayern-Verwaltungsrat. Wählerinnen und Wähler aus dem großen Münchner rot-grünen Lager wechselten in Scharen von Rot zu Grün. Dagegen erlitt just in der Landeshauptstadt die CSU mit ihrem Wahlkampf, der auf Platz 2 hinter Reiter setzte, die nächste schlimme Havarie. Die ist so ausgeprägt, dass sie das bayerische Gesamtergebnis der Söder-Partei verdunkelt. Das schreit nach Konsequenzen. Auch für den CSU-Bezirksvorsitzenden und Justizminister Georg Eisenreich.GEORG.ANASTASIADIS@MERKUR.DE