Das ist mal ein Paukenschlag! Noch vor wenigen Wochen schien Cem Özdemir in Baden-Württemberg aussichtslos zurückzuliegen. So wie die Grünen ja insgesamt nach dem Ampel-Aus nicht wirklich auf die Beine kommen. Doch dem ehemaligen Agrarminister gelang mit einem fleißigen Wahlkampf ein furioses Comeback, weil er sich als bodenständig-mittiger Ziehsohn des bodenständig-mittigen Winfried Kretschmann inszenierte und sich von den Bundes-Grünen maximal distanzierte. Einmal behauptete er sogar, sein Landesverband sei einfach anders – so etwas wie die CSU der Grünen. Ein andermal stellte er fest: „Ich habe in Berlin viel gelernt, vor allem wie man es nicht machen sollte.“ Ein Tritt für die alten Ampel-Kollegen.
Wie auch immer das Endergebnis lautet: Die Personalie Özdemir dokumentiert, welche Signalwirkung diese Landtagswahl für die Bundespolitik hat. Nicht nur, aber auch für die Grünen. Die Lehre für sie: In weiten Teilen Deutschlands lässt sich mit einer offensiv linken Öko-Politik wenig gewinnen, Katharina Schulze in Bayern hat das längst verstanden. Aber auch: Die blassen Bundes- und Fraktionsvorsitzenden in Berlin helfen wenig, wenn man Mehrheiten anstrebt. So sehr die Partei gestern auch feierte – eigentlich lautet der Schluss aus Stuttgart, dass man sich neu aufstellen muss. Als moderne, weltoffene Partei der Mitte.
Hart trifft das Ergebnis die beiden Berliner Regierungsparteien. Die SPD fristet in Baden-Württemberg inzwischen ein ebenso klägliches Dasein wie in Bayern. Das desaströse Abschneiden in den beiden großen Flächenländern des Südens ist Folge der falschen personellen Konzentration auf NRW, Niedersachsen und neuerdings Rheinland-Pfalz. Wer den Süden immer ausgrenzt, wird dort halt nicht mehr gewählt. Selbst schuld!
Dramatisch verlief der Wahlabend für die CDU. Das enttäuschende Ergebnis geht vor allem mit Manuel Hagel nach Hause, der im Wahlkampf erst blass, dann unglücklich agierte. Doch es trifft die Partei insgesamt ins Mark, das Autoland Baden-Württemberg dauerhaft zu verlieren. Wo ist die Wirtschaftspartei? Wo ist der Stimmungsumschwung, den Friedrich Merz versprochen hatte? Das Gefühl vieler in der CDU, in Berlin wackle der Schwanz mit dem Hund, dürfte Kompromisse bei Reformen maximal erschweren.
Ansonsten heißt es, Abschied nehmen: Die FDP ist offenbar nicht mehr zu retten.