Rückschläge für die SPD

von Redaktion

Hoffnungsträger der SPD: Der OB-Kandidat in Nürnberg, Ahmed Nasser, hat es in die Stichwahl geschafft. © Jens Hartmann

München – War es das mit der stolzen Kommunalpartei? Die SPD in Bayern stellte bisher 200 Bürgermeister, nicht nur in München und Regensburg (früher auch in Nürnberg), auch in vielen mittelgroßen Städten, im ländlichen Oberbayern zum Beispiel in Puchheim, Olching oder Schongau. „Die Katastrophe ist ausgeblieben“, stellt die SPD-Landesvorsitzende Ronja Endres zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale erleichtert fest. Es gebe Lichtblicke. Günzburg und Weißenburg etwa bleiben in SPD-Hand, und dann gebe es ja noch eine Vielzahl von Stichwahlen, in denen die SPD Chancen hat.

Oder auch nicht. In München muss OB Dieter Reiter (SPD) mit herben Verlusten in die Stichwahl. Selbiges in Nürnberg, wobei die Chancen für die Sozialdemokratie hier gering sind: Amtsinhaber Marcus König (CSU) kam auf rund 46 Prozent, der Abstand zum Zweitplatzierten Nasser Ahmed (SPD) ist mit fast 20 Prozent riesig. In Augsburg liegt Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) vor dem SPD-Kandidaten. Besonders umkämpft ist das Rathaus in Regensburg, seit zwei Wahlperioden in Hand der SPD. Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) trat nicht mehr an – jetzt liegt in der viertgrößten Stadt Bayern die ehemalige BR-Journalistin Astrid Freudenstein von der CSU mit 37,5 Prozent deutlich vorn. Thomas Burger (SPD) als Zweitplatziertem bleibt nur die Hoffnung, dass er die vielen Stimmen der Grünen-Mitbewerberin (mit 18,9 Prozent nur knapp Dritte) in der Stichwahl auf seinem Konto verbuchen darf. Auch in Hof könnte die SPD leer ausgehen – Amtsinhaberin Eva Döhla liegt deutlich hinter dem CSU-Konkurrenten und muss in die Stichwahl. Einen Lichtblick, immerhin, gibt es in Passau, wo OB Jürgen Dupper (SPD) aufhört. Ihm könnte Armin Rother (SPD) nachfolgen, der im ersten Wahlgang mit 33,7 Prozent vor Armin Dickl von der CSU (20,3 Prozent) liegt. „Wir haben auch Fürth geholt“, betont Ronja Endres – OB Thomas Jung bekam dort über 70 Prozent. Auch das Coburger Rathaus ist weiter SPD-regiert. „Wir bleiben eine starke Kraft im Kommunalen“, resümiert die SPD-Chefin.

■ Alt-OB Ude enttäuscht

Was auch bleibt, sind zwei Landräte: In Schweinfurt setzte sich Amtsinhaber Florian Töpper mit knapp 60 Prozent deutlich durch. In Roth, wo die SPD ebenfalls den Landrat stellt, wurde nicht gewählt. Und Ronja Endres kann sich Hoffnungen auf ein Stadtratsmandat in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) machen – sie hatte Listenplatz 2, ausgezählt wird aber erst heute. Den Bürgermeister in der einst roten ehemaligen Bergarbeiterstadt stellt aber weiterhin die CSU.

Münchens Alt-OB Christian Ude ist von dem mäßigen Ergebnis der SPD enttäuscht – überrascht ist er nicht. Seit mehr als zehn Jahren habe er immer wieder davor gewarnt, dass die Partei „ihre ureigensten Stammwähler vernachlässigt“, sagte er unserer Zeitung. Diese Kritik habe allerdings kein Gehör gefunden. Das Ergebnis: „Die SPD hat in den letzten Jahren über die Hälfte ihrer Wähler verloren.“ Für die Zukunft sei nun entscheidend, mehr Selbstkritik zu üben – und die Ursachen für die Niederlagen nicht bei den Wählern zu suchen.

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