Zu viele Fehler: OB Reiter (SPD) muss zittern

von Redaktion

Angeschlagen: Münchens OB Dieter Reiter (SPD). © dpa

München – Damit hatte wohl niemand gerechnet bei der SPD, als gegen 19.15 Uhr die ersten Hochrechnungen auf den Bildschirmen aufploppten. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) lag bei rund 35 Prozent. Sichtlich enttäuscht, aber gefasst, tritt Reiter dann vor die Mikrofone. Es sei für ihn ein enttäuschender Wahlabend, sagt er. „Ich habe in den letzten zwei Wochen ein, zwei Fehler gemacht. Das ist schlecht.“ Dafür wolle er sich bei den Wählern und bei seiner Partei ausdrücklich entschuldigen. Das habe das Ergebnis deutlich beeinflusst. „Das ist klar ein enttäuschendes Wahlergebnis.“

Eigentlich schien eine dritte Amtszeit greifbar nah – und das ohne große Überraschungen. Ende Januar war das zumindest das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Münchner Grünen. Demnach wäre Reiter im ersten Wahlgang auf 45 Prozent gekommen, die Herausforderer Dominik Krause (Grüne) und Clemens Baumgärtner (CSU) auf jeweils 20 Prozent. Doch die „ein, zwei“ Fehler kamen den 67-Jährigen dann doch teurer zu stehen als gedacht.

Die Regierung von Oberbayern prüft die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Reiter. Es geht um Zahlungen für ein Ehrenamt beim FC Bayern. „Aufgrund der offenbar seit 2021 erfolgten Vergütung der Tätigkeit als Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München stellt sich die Frage, ob dafür eine Nebentätigkeitsgenehmigung erforderlich gewesen wäre“, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung mit. Eine Nebentätigkeit, die mit mehr als 10.000 Euro im Jahr vergütet wird, hätte er sich vom Stadtrat genehmigen lassen müssen.

Reiters zweites Minenfeld: Der Verein Rassismus und diskriminierungsfreies Bayern hatte den Rathaus-Chef in einem internen Schreiben um eine Stellungnahme gebeten, das unserer Redaktion vorliegt. Reiter soll im Plenum beim Umblättern der Tagesordnung gesagt haben: „So wo samma, sagen die Neger.“ Das stammt aus einem Kabarettstück von Fredl Fesl. Der Stadtrat jedoch hat das N-Wort als rassistisch anerkannt. Reiter entschuldigte sich am Donnerstag zwar ausdrücklich, aber bei vielen Wählern kam die Entschuldigung offenbar nicht an.

In den Wahllokalen, also ohne die Briefwahl-Stimmen, wurde Reiter am Sonntag hart abgestraft. Hier lag der Grünen-Kandidat Dominik Krause sogar vor dem amtierenden Oberbürgermeister. Die FCB-Affäre und das „N“-Wort haben dem SPD-Politiker also klar geschadet. Denn Briefwähler sind früher dran mit dem Kreuzerlmachen – da hatten die beiden Fettnäpfchen öffentlich noch nicht durchgeschlagen.

Reiter klammert sich nun notgedrungen an die Stichwahl in zwei Wochen: „Für mich und meine Partei geht es jetzt darum, in den nächsten zwei Wochen wieder klarzulegen, wofür wir stehen, wofür ich persönlich stehe – und verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen.GW, FWE

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