Liegt vorne: Astrid Freudenstein (CSU). © Aigner
Regensburg – Die SPD-Anhänger jubeln, als Thomas Burger um kurz vor 20 Uhr den Saal im Marinaforum betritt. Minutenlang wird geklatscht. Denkbar knapp hat es der 55-jährige SPD-Fraktionschef, der als Führungskraft in der Automobilzulieferindustrie arbeitet, mit 19,1 Prozent in die Stichwahl um das Amt des Regensburger Oberbürgermeisters geschafft. Zwischen ihm und der Grünen-Bewerberin Helene Sigloch liegen gerade einmal 0,2 Prozentpunkte – 137 Stimmen. „Jetzt ist wieder alles offen“, sagt er, Freudentränen in den Augen.
Nun tritt Burger in 14 Tagen erneut an – gegen die frühere BR-Journalistin Astrid Freudenstein (CSU), die Favoritin war. Sie holt 37,5 Prozent der Stimmen – acht Prozentpunkte mehr als noch 2020, wo sie am Ende in der Stichwahl knapp gegen die amtierende Oberbürgermeisterin verlor. „Das Talent für beschissene knappe Wahlergebnisse liegt eigentlich bei mir“, sagt sie denn auch mitfühlend zu Helene Sigloch. Und: „Bei zwölf Kandidaten ist alles über 30 Prozent der Wahnsinn.“
Chancenlos blieb Thomas Thurow, der als Spitzenkandidat der Brücke, Liste des früheren Regensburger Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs, ins Rennen ging. Ihm waren vielfach Außenseiterchancen eingeräumt worden. Doch er erreicht gerade einmal 6,4 Prozent. Überhaupt ist der Wahlverein Brücke der große Verlierer des Abends – denn auch bei der Stadtratswahl stürzt man von 12,4 auf 7,3 Prozent ab und stellt künftig nur noch vier statt sechs Stadträte.
Stärkste Fraktion wird die CSU mit 13 Mandaten, gefolgt von den Grünen mit neun und der SPD mit sechs Stadträten. Die Sozialdemokraten können ihr Ergebnis von 2020 mit 12,2 Prozent – sechs Stadträte – halten. Das war allerdings historisch schlecht. Der neue Regensburger Stadtrat wird zersplittert sein wie nie. Elf Parteien und Wählervereinigungen gehören dem 50-köpfigen Gremium künftig an. Neu eingezogen sind Volt mit zwei und die Linke mit vier Sitzen. Die AfD hat fünf statt bisher zwei Stadträte.
Auch wenn Astrid Freudenstein fast doppelt so viele Stimmen erhielt wie ihr SPD-Kontrahent Thomas Burger, ist der Ausgang der Stichwahl längst nicht ausgemacht. Es wird erwartet, dass die Grünen und kleinere Parteien eine Wahlempfehlung für Burger abgeben werden.STEFAN AIGNER