Schafft es nicht in die Stichwahl: AfD-Chef Stephan Protschka. © Armin Weigel/dpa
München – Stephan Protschka wirkte geknickt. Er habe sich „ein bisschen was Besseres erhofft“, sagte Bayerns AfD-Chef am späten Sonntagabend. 20 Prozent hatte er im Rennen um das Landratsamt in Dingolfing-Landau anvisiert, Ziel war die Stichwahl gegen den Amtsinhaber von der CSU. Am Ende verfehlte er beides.
Was für ihn gilt, gilt für die ganze AfD. In keinem einzigen Fall schaffte sie es bei der Kommunalwahl in eine Stichwahl. Die Partei, die angekündigt hatte, die Rathäuser zu „erstürmen“, hat somit keine Chance, einen Bürgermeister oder gar einen Landrat zu stellen. Das beste Landratswahlergebnis holte der Landtagsabgeordnete Gerd Mannes in Günzburg (24,2 Prozent). Das beste Ergebnis in einem Bürgermeister-Rennen schaffte der Kandidat in Wellheim (Kreis Eichstätt) mit 33,4 Prozent. Hier wie dort siegte der CSU-Konkurrent.
Krachende Niederlage? Der Eindruck täuscht. Erste Ergebnisse aus den Stadtrats- und Kreistagswahlen zeigen: Wo die AfD antrat, wurde sie auch gewählt. Im Ingolstädter Stadtrat sind die Rechtsaußen jetzt zweitstärkste Fraktion (acht von 50 Sitzen), im Straubinger Kreistag wurden sie mit zehn von 60 Sitzen Dritte. Ähnlich ist es im Kreis Oberallgäu (acht von 70), in Kelheim (acht von 60), Tirschenreuth (sieben von 50) und Altötting (neun von 60). Im fränkischen Frensdorf holte die Partei mit 16,9 Prozent der Stimmen sogar die Mehrheit.
Komplett ausgezählt waren die Kreistage am Montagnachmittag noch nicht, das Endergebnis der Kommunalwahl von 2020 (damals 4,7 Prozent) dürfte die AfD in der Schlussabrechnung aber weit übertreffen. Damals war die Partei nur in etwas mehr als 100 Gemeinden überhaupt angetreten. Diesmal stellte sie flächendeckend Kreistagslisten auf und trat auch in deutlich mehr Gemeinden an. Weiße Flecken gab es trotzdem noch viele. Die Kandidatensuche bereitet der AfD bis heute Probleme.
Die blaue Welle mag es nicht gegeben haben, trotzdem wird die Rechtsaußen-Partei künftig deutlich stärker in den Kommunalparlamenten vertreten sein. Protschka deutet die Ergebnisse am Montag entsprechend positiv. Es sei „ein starkes Signal der Bürgerinnen und Bürger“, sagt er in Dingolfing.DW, MMÄ, AS