Jetzt muss Reiter raus aus der Komfortzone

von Redaktion

Angeschlagener OB in München

In diesen Tagen gilt der Begriff ganz wörtlich. Wahl-Kampf! Dieter Reiter (SPD) muss kämpfen um seinen Job. Wenn er Oberbürgermeister in München bleiben will, muss er raus auf die Straße, am besten rund um die Uhr. Wenn er in zwei Wochen in der Stichwahl gegen den grünen Herausforderer Dominik Krause gewinnen will, muss er wahrmachen, was er in einem seiner wenigen Sätze am Sonntag angekündigt hat. Dass er mit vielen Menschen reden wolle.

Denn Reiter hat seine erdrutschartigen Verluste (rund zehn Prozentpunkte im Vergleich mit den Umfragewerten von Mitte Januar) bestimmt nicht nur deshalb erlitten, weil sich die Münchner Gedanken über seinen ungenehmigten Nebenverdienst beim FC Bayern gemacht haben – sondern auch deshalb, weil man gespürt hat, dass sich da jemand seiner Sache zu sicher ist.

Man denkt zurück an die Zeit vor zweieinhalb Jahren, als die grüne Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden regelrecht die Flucht vor Reiter ergriff – wohl im Gefühl, keine Chance mehr gegen ihn zu haben. Jene Katrin Habenschaden, die sich jetzt wohl sonst wohin beißen dürfte… Bei Reiter muss spätestens zu dieser Zeit jedenfalls die Überzeugung der Unantastbarkeit gewachsen sein. Das Gefühl, er müsse sich keine Mühe mehr geben, um die Gunst der Menschen zu gewinnen. Auch nicht im Wettkampf mit dem jungen Dominik Krause (Grüne), Habenschadens Nachfolger als Bürgermeister.

Diese Idee – geliebt werden, ohne dem Gegenüber Hinwendung zu zeigen – funktioniert nie. Nicht in einer langjährigen Ehe und schon gar nicht in der oft flüchtigen Beziehung zwischen Politiker und Wähler.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET

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