Betont aufgeräumte Stimmung: CSU-Parteichef Markus Söder (re.) und Generalsekretär Martin Huber. © Peter Kneffel/dpa
München – Den Ton setzt er schon beim Hereinkommen. „Keine Hektik“, sagt Markus Söder, während er in der CSU-Zentrale im Münchner Norden vor den Journalisten Platz nimmt. Der Parteivorstand hat vormittags getagt, um die Ergebnisse der Kommunalwahl zu sortieren. Söder berichtet von „aufgeräumter Stimmung“. Tatsächlich war die Sitzung schon rund eine Stunde vor der angesetzten Pressekonferenz wieder beendet. Das Resümee: Der Wahlabend, an dem der CSU-Chef sich öffentlich noch zurückhielt, habe „unterm Strich viel Freude“ gebracht, sagt Söder. Man werde recht wahrscheinlich sogar mehr Bürgermeister stellen als nach der Kommunalwahl 2020. Aussagekräftige Prozentwerte darüber, wie es in den Kreistagen und Stadträten für die CSU in der Breite gelaufen ist, stehen am Montag zwar noch aus. Doch die Kernbotschaft hat Söder schon im Gespäck: „Wir sind klar die Nummer eins.“
Dass allerdings nicht alles hundertprozentig zufriedenstellend gelaufen ist, will Söder auch nicht verhehlen. Vor allem die Niederlage in München wiegt schwer. Der bayerische Platzhirsch CSU hat in der Landeshauptstadt nicht einmal die Stichwahl erreicht. „Ärgerlich“ nennt Söder das, schreibt es aber im Wesentlichen den Fehlern des SPD-Amtsinhabers Dieter Reiter zu, die den Grünen an der Urne wohl stark zugutekamen. Söders anfängliche Hoffnung, im Münchner Stadtrat die stärkste Fraktion zu stellen, zerschlug sich am Abend. Die CSU schafft es wohl nur auf Platz zwei hinter den Grünen.
Auch in Hochburg-Landkreisen wie Miesbach blieb die CSU teilweise hinter den Erwartungen zurück, hat das Rennen aber (noch) nicht verloren. Und dann natürlich Bamberg, wo die CSU-Landtagsabgeordnete und Ex-Ministerin Melanie Huml es nicht einmal in die Stichwahl um das Rathaus geschafft hat – und noch am Wahlabend zur eigenwilligen Interpretation fand, die Bamberger Wähler seien womöglich mit ihrer Arbeit in München so zufrieden, dass sie sie dort halten wollten.
„Bamberg tut weh“, sagt Söder. Kommt aber direkt zu einer anderen fränkischen Stadt, in der es für seine Partei „besonders schön“ ausgegangen sei. In Söders Heimat Nürnberg nämlich, die für die CSU „früher fast ungewinnbar“ gewirkt und wo Amtsinhaber Marcus König nun das beste CSU-Ergebnis jemals erreicht habe.
Intern wird natürlich auch an der Parteispitze kritisch diskutiert. War ein Kandidat zu alt? Hätte eine Kandidatin weniger über vergangene Verdienste und mehr über die Zukunft sprechen sollen? Lügt man sich mit einer zu positiven Analyse nicht selbst in die Tasche? Zur Wahrheit gehört, dass Söder am Montag schwerlich zur großen Problemanalyse ausholen könnte, selbst wenn er es wollte. Noch ist Wahlkampf. In zwei Wochen geht es in vielen Landkreisen und Rathäusern in wichtige Stichwahlen, die das Bild für die CSU noch deutlich verschönern können – oder das Gegenteil. Brust raus – so lautet da die Devise.
Um AfD-Kandidaten wird es dann nicht mehr gehen, von ihnen hat es keiner in eine Stichwahl geschafft. Dass die rechte Partei in einigen lokalen Gremien aber zweitstärkste Fraktion sein wird, zeigt für Söder: „Die AfD ist fest da“ – und man könne sie „weder wegmoralisieren noch wegstigmatisieren“, sondern nur „inhaltlich stellen“ und „überflüssig machen“. Mit ihr zusammenarbeiten sollen CSU-Politiker auch auf kommunaler Ebene nicht, betont er. Da es auf Gemeindeebene oft weniger kontrovers zugehe, glaubt Söder ohnehin, „dass es überall Mehrheiten klar jenseits der AfD gibt“.