Alte Freunde: Putin und der von den USA getötete iranische Führer Chamenei waren Verbündete. © AFP
München – Es war ein beachtliches Geschenk, selbst für Staatschefs. Als Wladimir Putin Ende 2015 nach Teheran reiste, brachte er nicht bloß ein höfliches Präsent mit, sondern die Replik eines der ältesten überlieferten Koranmanuskripte – ein seltenes Sammlerstück. Und eine Geste der Annäherung an Irans obersten Führer Ali Chamenei. Der warnte damals, die Politik der USA bedrohe nicht nur den Iran – sondern auch Russland.
Mehr als zehn Jahre später gehört Putin zu den wenigen Regierungschefs, die zum Tod des Ayatollahs kondolieren. Die Tötung des Oberhaupts sei ein „zynischer Mord“, erklärte der Kremlchef. Doch tatsächlich profitiert derzeit kaum ein anderes Land von diesem Krieg so sehr wie Russland.
Der wichtigste Grund ist der Ölpreis. Der Iran droht, die Straße von Hormus bis Kriegsende blockiert zu halten. Durch das Nadelöhr zwischen Persischem Golf und Golf von Oman fließt rund ein Fünftel der weltweiten Erdölprodukte. Die Märkte reagieren nervös, die Preise schießen nach oben – und russisches Öl wird plötzlich wieder attraktiver. Denn während die Konkurrenz im Nahen Osten lahmliegt, kann Russland seine Exporte weiter ungestört über den Suezkanal verschiffen.
Putin versucht längst, aus dem Krieg auch politisches Kapital zu schlagen. Anfang der Woche bot er Europa an, bei Öl und Gas einzuspringen – allerdings zu seinen Bedingungen. Voraussetzung sei eine „langfristige und stabile“ Zusammenarbeit ohne „politischen Druck“ auf Moskau. Schon jetzt, betonte er, beliefere Russland „zuverlässige Partner“ wie Ungarn und die Slowakei. Dabei hatte die EU gerade erst neue Sanktionsschritte beschlossen, um sich weiter von russischer Energie zu lösen.
Auch die USA hatten zuletzt weitere Sanktionen gegen große russische Ölfirmen angekündigt. Trump hatte sogar mit Indiens Premier Narendra Modi vereinbart, dass Neu-Delhi – Russlands zweitgrößter Abnehmer – kein russisches Öl mehr beziehen solle. Doch weil auch in den USA die Benzinpreise steigen, rudert Trump nun zurück: Indische Raffinerien dürfen für (vorerst) 30 Tage wieder russisches Öl verarbeiten. US-Finanzminister Scott Bessent stellte sogar weitere Ausnahmen in Aussicht. Es gebe „hunderte Millionen Barrel sanktionierten Rohöls auf dem Wasser“, sagte er – gemeint sind wohl Tanker der Schattenflotte. Neben der EU widersprach auch Kanzler Friedrich Merz: Der Druck auf Russland müsse hoch bleiben.
In Moskau wird bereits gejubelt. „Öl über 100 Dollar (pro Barrel, Anm. d. Red.) – und die Stimme Russlands in der Weltwirtschaft und Geopolitik wird noch lauter“, schrieb Putins Vertrauter Kirill Dmitrijew in den Sozialen Medien. Besonders dürfte sich der Kreml darüber freuen, noch mehr Öl an seinen wichtigsten Partner China zu verkaufen: Bislang gingen rund 80 Prozent der iranischen Ölexporte dorthin – diese Lücke könnte nun Russland füllen. Zu Spitzenpreisen.
Während sich Russlands Kriegskasse durch das Ölgeschäft füllt, zahlt die Ukraine an anderer Stelle den Preis. Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge hätten die USA in nur drei Tagen 800 Patriot-Abwehrraketen gegen den Iran verschossen. „Die Ukraine hatte noch nie so viele Raketen, um Angriffe abzuwehren“, klagte er. Laut dem „Spiegel“ hat Verteidigungsminister Boris Pistorius nun ein Paket von 30 Lenkflugkörpern aus mehreren EU-Ländern organisiert. Sie gelten als wichtigste Verteidigung gegen ballistische Raketen.
Erst am Montag haben Trump und Putin rund eine Stunde lang telefoniert. Trump sagte später, Putin wolle im Krieg mit dem Iran „hilfreich“ sein – und sprach von einem positiven Gespräch. Dabei hatte die „Washington Post“ erst kurz davor berichtet, dass der Kreml dem Iran Zielinformationen über US-Kriegsschiffe und Flugzeuge gesteckt hat. So sei es Teheran gelungen, US-Anlagen in Saudi-Arabien und eine US-Basis in Kuwait zu treffen.