Ungarn friert ukrainisches Vermögen ein

von Redaktion

Transporter mit Geldbündeln und Gold im Wert von über 70 Millionen Euro beschlagnahmt – Selenskyj droht

Millionenwerte wurden beschlagnahmt. © EPA

Kiew/Budapest – Nach der Beschlagnahmung eines ukrainischen Geldtransporters in Ungarn und der Festnahme von sieben Begleitern hat das ukrainische Außenministerium am Dienstag den ungarischen Botschafter einbestellt. In einer Protestnote warf Kiew Budapest unter anderem Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention im Umgang mit ukrainischen Staatsbürgern vor, wie die Behörde mitteilte. Ungarn wird illegale Festnahme, Einschüchterung und übermäßige Gewaltanwendung vorgeworfen.

Die ungarische Polizei hatte in der vergangenen Woche zwei Geldtransporter mit sieben Mitarbeitern der staatlichen ukrainischen Sparkasse kurzzeitig festgesetzt und Geldwäschevorwürfe erhoben. Trotz eines offiziellen Antrags sei ukrainischen Konsularbeamten kein Zugang zu den Festgenommenen gewährt worden, hieß es nun aus dem Kiewer Außenministerium.

Über den Inhalt der Geldtransporter kursieren unglaubliche Zahlen. Medien berichten von 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilo Gold im Wert von rund 1,3 Millionen Euro, die die sieben Ukrainer in zwei Wagen durch Ungarn transportiert hätten. Dort wurde der Konvoi von den Behörden gestoppt, die wertvolle Fracht beschlagnahmt und die Männer festgesetzt. Die eine Seite spricht von einem angemeldeten Transport, die andere von Geldwäsche – und der Konflikt spitzt sich weiter zu.

Hintergrund des Skandals ist der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine um Öllieferungen aus Russland. Diese liefen bis zuletzt über die Pipeline „Druschba“ auch über ukrainisches Gebiet. Nach einer Beschädigung der Pipeline infolge russischer Angriffe forderte die kurz vor einer kritischen Parlamentswahl stehende Regierung in Budapest Kiew zur schnellen Reparatur und Wiederaufnahme des Transits auf. Der ukrainischen Darstellung nach ist eine schnelle Reparatur nicht möglich, was in Ungarn auf Unglauben stößt. Um den Druck zu erhöhen, hat Ungarn die Vergabe eines Millionenkredits der EU an die Ukraine blockiert, der für das von Russland angegriffene Land überlebenswichtig ist. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drohte Ungarns Regierungschef Orban sogar mit dem Einsatz von Soldaten.

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