München – Dass bayerische Beamte die im Tarifabschluss für die Länder vereinbarten Erhöhungen ihrer Bezüge zeitversetzt erhalten sollen, sorgt für großen Ärger. „Offensichtlich ist die Staatsregierung nicht mehr an dem bewährten Dialog mit dem Beamtenbund interessiert“, sagt der Vorsitzende des Bayerischen Beamtenbunds (BBB) Rainer Nachtigall unserer Zeitung. Es habe darüber keinen Dialog oder gar Verhandlungen gegeben. Auch bei einem Treffen am Dienstagabend, das beim BBB als „Verkündungs-Pflicht-Termin“ wahrgenommen wurde, sei Finanzminister Albert Füracker (CSU) „zu keinem Zeitpunkt offen für unsere Argumente“ gewesen. „Er sah keinen Grund, warum sich das Kabinett erneut mit dem Thema befassen sollte“, beklagt Nachtigall.
Auch der Lehrerverband (BLLV) will dagegenhalten. Wenn Söder die Beamten permanent lobe, und sage, wie wichtig sie seien „dann fragen wir uns schon, warum genau da gespart wird“, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann unserer Zeitung.
Wie unsere Zeitung am Mittwoch berichtete, wird der Freistaat die vereinbarten Anpassungen in 2026 und 2027 mit einem zeitlichen Versatz von jeweils sechs Monaten umsetzen. Heißt: Unter anderem bayerische Polizisten und Lehrer erhalten erst ab Oktober eine Erhöhung von 2,8 Prozent. Zum September 2027 folgen weitere 2,0 Prozent. Ein dritter Schritt von 1,0 Prozent, ebenfalls Teil der Tarifeinigung, könnte auch in Bayern ohne Zeitverzug zum Januar 2028 folgen.
Die Staatsregierung verweist auf die angespannten Finanzen – und den trotzdem schuldenfreien Doppelhaushalt für 2026/27. „Das gelingt nur mit vereinten Kräften, strikter Ausgabendisziplin und Konsolidierung“, sagt Füracker unserer Zeitung. Bayern biete seinem öffentlichen Dienst weiterhin bundesweit die besten Rahmenbedingungen. Durch die Verschiebung spart sich der Freistaat Fürackers Ministerium zufolge rund 600 Millionen Euro im Doppelhaushalt (also für beide Jahre zusammen).
Beamtenbund-Chef Nachtigall beklagt, Ministerpräsident Markus Söder (CSU) habe im November 2025 bereits die Verschiebung des Tarifergebnisses angekündigt, als die Gewerkschaften noch nicht einmal eine Forderung erhoben hatten. Dies sei „ein ungeheuerlicher Vorgang und eine Missachtung der Staatsregierung gegenüber den Tarifverhandlungen und den Beschäftigten insgesamt“. Zudem habe Söder von einer einzigen Verschiebung um sechs Monate gesprochen. „Gestern Abend hat uns der Finanzminister wissen lassen, dass die beiden Termine, an denen die Gehälter der Tarifbeschäftigten in den Jahren 26/27 erhöht werden, jeweils um sechs Monate verschoben werden“, sagt Nachtigall am Mittwoch. Es gehe insgesamt also um zwölf Monate.
Das alles finde „in einem ohnehin schwierigen Umfeld statt“, sagt Nachtigall. Schon die Einschränkungen bei der familienpolitischen Teilzeit hätten Ende 2025 „in einer Nacht-und-Nebel-Aktion“ stattgefunden. Auch „hinsichtlich einer verfassungskonformen Alimentation in Bayern“ gebe es bei den Beamten Unsicherheiten. „Das alles trägt zu Enttäuschungen und Vertrauensverlusten bei den Beschäftigten insgesamt bei“, sagt Nachtigall.SEBASTIAN HORSCH