Bayern rückt auch in seinen Städten und Gemeinden ein gutes Stücknach rechts: Mit einem Stimmenanteil von 12,2 Prozent (plus 7,5 Punkte) ist die AfD nun auch eine kommunal verankerte Kraft geworden. Dagegen hat das linke Lager gegenüber der Wahl vor sechs Jahren an Zustimmung eingebüßt: Nur hauchdünn konnten Grüne (minus 3,9) und SPD (minus 1,4) ihre Plätze als zweit- und drittstärkste Parteien im Freistaat verteidigen. Mit einem Minus von 1,9 Punkten auf jetzt noch 32,5 Prozent kam der Platzhirsch CSU mit einem blauen Auge davon, auch wenn die Schwarzen ihr schlechtestes Ergebnis seit 75 Jahren kassierten.
Das sind die auf den ersten Blick wenig spektakulären Zahlen. Doch der eigentliche Wahlschock steht der CSU womöglich erst noch bevor – dann nämlich, wenn es den Grünen gelingt, in der Stichwahl am 22. März mit ihrem jungen Kandidaten Dominik Krause den Münchner SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter aus dem Amt zu jagen. Ein grüner OB in der Landeshauptstadt von Söders Freistaat wäre eine nationale Sensation und für den CSU-Chef die maximale Blamage. Sie würde die CSU im Nachhinein zur Verliererin dieser Kommunalwahl machen.
Söder und seine CSU, die sich nach außen gerade demonstrativ unbeteiligt geben, werden sich also gut überlegen müssen, ob sie dem schwer bedrängten Dieter Reiter im letzten Moment nicht doch noch mit einer Wahlempfehlung zur Seite springen. Zumal Söder selbst an der Misere ja nicht ganz unschuldig ist: Er war es, der es mit einer „lex Reiter“ dem damals noch hochpopulären SPD-Amtsinhaber ermöglichte, 2026 im Alter von 67 Jahren noch einmal anzutreten. Damit raubte er seiner CSU in München von vornherein jede Chance, das Rathaus zu erobern. So kämpfte der tüchtige Clemens Baumgärtner von Anfang an auf verlorenem Posten, erst recht angesichts des Umstands, dass die Spitzen der traditionell zerstrittenen Münchner CSU alle nur auf eigene Rechnung handelten.
Doch geht es in München um viel mehr als um das Ego eines CSU-Ministerpräsidenten. Im Stadtrat gibt es wie bisher eine solide links-grüne Mehrheit. Komplettiert um eine grüne Rathausspitze, die mit der Wirtschaft erkennbar fremdelt, würde die Ambitionslosigkeit, die die Isarmetropole schon länger prägt, endgültig zum Programm. Eine linksideologisch regierte bayerische Landeshauptstadt, in der die Stadtspitze ihre gender- und verkehrspolitischen Steckenpferde reitet, statt sich um die Stärkung der Wirtschaftskraft und die Etatsanierung zu kümmern, würde ganz Bayern verändern. Siegt hingegen Reiter, könnte er der CSU zwar mutmaßlich keine schwarz-rot-irgendwie geartete Rathauskoalition anbieten, aber immerhin die Aussicht, sie in Entscheidungen, vielleicht auch über Ämter, einzubeziehen. Vor allem aber dürften die Münchnerinnen und Münchner hoffen, dass im Bürgermeisterzimmer ein Pragmatiker sitzt, der Berliner Verhältnisse an der Isar verhindern will.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET