Die Tank-Touristen sind los

von Redaktion

Extremes Preisgefälle in Bayern und Tirol – nicht nur Autofahrer sind gefrustet

Kreuth/Mittenwald – Wenige Kilometer können beim Tanken einen großen Unterschied machen. In Österreich ist die Mineralölsteuer deutlich niedriger als beim großen Nachbarn, entsprechend attraktiver sind die Benzinpreise. Auch bei ihm hätten die Preise in der vergangenen Woche um bis zu 20 Cent zugelegt, sagt Berni Reisgruber von der Eni-Tankstelle in Ehrwald (Tirol). Doch noch könne man „die Preise weitgehend unterhalb der 2-Euro-Marke halten“. Nach deutschen Maßstäben ein Spottpreis.

Einige Kilometer weiter betreibt Familie Amort ihre eigene Tankstelle. „Weil wir direkt an der Zufahrt zur Tiroler Zugspitzbahn liegen, tanken bei uns generell viele internationale Kennzeichen“, berichtet Monika Amort. „Aber aktuell ist es ein Wahnsinn! Tag und Nacht kann ich vom Fenster aus jetzt vor allem Münchner, Garmischer und Weilheimer an unserer Selbstbedienungssäule beobachten.“ In der Shell-Tankstelle nebenan heißt es: „Uns erreichen massenweise Anrufe aus Deutschland, mit Fragen zu unseren Spritpreisen. Man merkt genau, die Leute rechnen!“

Vom Eibsee über den Tegernsee bis zum Königssee sind Tank-Touristen auf Achse. Schon vergangenen Freitag standen die deutschen Autofahrer vor Öffnung der Scharnitzer Tankstelle Reinpold um sieben Uhr morgens Schlange. „Viele hatten 20-Liter-Kanister dabei“, berichtet die Angestellte Michelle Kolberg. Aber ein Kunde schoss den Vogel ab – und wollte gegen alle Sicherheitsvorschriften rund 400 Liter in einen Plastikbehälter im Kofferraum tanken.

Nicht nur Autofahrer sind gefrustet, auch die Tankstellen-Betreiber. Reinpold-Geschäftsführer Kevin Schultze-Overbeck klagt: „Die Preise werden von den Firmen und Konzernen bestimmt. Wenn wir uns auflehnen, werden wir gedrückt, denn auf dem Seefelder Plateau sollen die Preise gleich sein. Wir werden alle zwei bis drei Tage beliefert, und jedes Mal werden die Einkaufspreise vom Konzern neu festgelegt.“

Auch auf bayerischer Seite schlägt die Tank-Situation aufs Gemüt: „Seit gut einer Woche haben wir hier deutlich weniger Betrieb“, sagt Midina Sulumekova, Mitarbeiterin der Aral-Tankstelle in Garmisch-Partenkirchen. „Viele tanken nur für 20 Euro. Wer nicht schimpft, der fragt, wann die Preise wieder sinken.“ Das fragen sich gerade alle. Eine Antwort hat keiner.C. SCHRAMM/W. KUNZ

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