Es muss schon ein Krieg ausbrechen, um Bewegung in ein System zu bringen, dessen Strukturen verkrustet sind und dessen Missstände offensichtlich. Man sieht das jedes Jahr, wenn die Ferien beginnen und, hoppla, die Spritpreise in die Höhe schnellen. Die Mineralölkonzerne, das ist fast schon Naturgesetz, können die Preise diktieren, wie es ihnen beliebt.
Dass die Politik nun unter dem Eindruck abermals explodierender Preise eingreift und zumindest die völlig intransparente Gestaltung entwirren will, ist erst mal nur ein zartes Eingreifen. Aber immerhin, es ist ein Hebel, der keine Milliarden kostet wie so manche Subvention, die vor allem den Konzernen in der Vergangenheit Freude bereitete. Und ein Signal, das es bisher nicht gab, obwohl Österreich die Regelung bereits 2011 einführte. Da wäre genug Zeit gewesen, um die richtigen Lehren zu ziehen.
Wundersame Preisstürze sollte nun niemand erwarten. Man tut den Konzernen nicht unrecht, wenn man davon ausgeht, dass sie die Preise erst mal ordentlich höher ansetzen, um sie dann ein bisschen zu reduzieren. Aber allein schon der Wegfall der irrwitzigen Schwankungen, zum Teil im Abstand von Minuten, wird ein Gewinn sein. Wenn die Politik den Plan dann in die Tat umsetzt, was erfahrungsgemäß dauern kann.
Im Detail lässt sich noch manches nachschärfen. Sollte man den Preis wie in Österreich um 12:00 Uhr festlegen, wenn die meisten Leute beschäftigt sind? Oder wäre nicht der Abend besser, weil kurz vorher der Tiefstand erreicht wird und viele Feierabend hätten? Das wäre zum einen eine ganz praktische Entlastung. Aber auch ein Beleg, dass der Gesetzgeber hier mal in erster Linie an die Verbraucher denkt, die an der Zapfsäule wahrlich schon genug Unerfreuliches erleben.MARC.BEYER@OVB.NET