Schiitische Muslime halten Plakate mit dem Bild von Modschtaba Chamenei und seines verstorbenen Vaters Ajatollah Ali Chamenei in die Höhe. © Ali Raza/dpa
München – Drei Tage nach der Ernennung eines neuen iranischen Staatsoberhauptes gibt es noch immer keine Wortmeldung des obersten Führers der Islamischen Republik. Regierungsanhänger und Beobachter warten mitten im Krieg gespannt auf die erste Rede von Modschtaba Chamenei und darauf, welchen politischen Kurs er einschlagen wird, nachdem sein Vater am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff in Teheran getötet worden war. In den verschiedenen Machtzentren in Teheran herrscht angespanntes Warten. Es seien keine Pläne bekannt, wann und ob sich der 56 Jahre alte Modschtaba Chamenei äußern werde, hieß es aus Parlamentskreisen. Mehrere Abgeordnete tappen demnach selbst im Dunkeln.
Modschtaba Chamenei überlebte die Bombardierungen im Herzen der Millionenmetropole vor elf Tagen, verlor dabei jedoch auch seine Ehefrau, Mutter und einen Schwager. Nach Informationen der „New York Times“ wurde der neue iranische Religionsführer verwundet. Er soll Verletzungen an seinen Beinen erlitten haben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf drei iranische Funktionäre. Überprüfen lässt sich der Bericht aktuell nicht.
Kurz nach dem Bericht meldete Jussef Peseschkian, der Sohn des iranischen Präsidenten Massud Peseschkian, im Onlinedienst „Telegram“: „Ich habe Freunde mit Verbindungen gefragt. Sie sagten mir, dass er Gott sei Dank wohlauf ist.“ „Ich habe gehört, dass er Verletzungen an den Beinen, der Hand und dem Arm erlitten hat“, sagte der iranische Botschafter in Zypern, Aliresa Salarian, der Zeitung „The Guardian“. Doch laut Medienberichten soll auch die Regierung, darunter Präsident Massud Peseschkian, aktuell keinen Kontakt zum neuen Staatsoberhaupt haben. „Die Minister der Regierung haben keine Nachrichten von ihm und soweit ich weiß, hatte Herr Peseschkian selbst keinen Kontakt“, sagte eine hochrangige Quelle in der Regierung dem gut informierten Exilportal „Iranwire“. Im Kabinett herrsche Verwirrung.
Indes überziehen sich Israel und Iran weiter mit Angriffen. In der Nacht zum Mittwoch startete der Iran mehrere Raketenangriffe auf den jüdischen Staat. Immer wieder kam es zwischen Mitternacht und den Morgenstunden auch im Großraum Tel Aviv zu Raketenalarm. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es nicht.
Auch die Angriffe auf die Golfregion gehen weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien sowie Katar, Kuwait und Oman meldeten die Behörden Beschuss mit iranischen Drohnen und Raketen. Die Geschosse konnten jedoch meist abgewehrt werden. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim sprach von der heftigsten iranischen Angriffswelle seit Beginn des Krieges. Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) teilte wiederum mit, die iranischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen seien seit den ersten 24 Stunden der Angriffe drastisch zurückgegangen.
Israels Militär startete indes eine neue Angriffswelle im Iran. Über den Westen Teherans donnerten am Mittwochmittag israelische Kampfjets und flogen Luftangriffe. In Teheran kamen zu dem Zeitpunkt Regierungsanhänger zu einer großen Trauerzeremonie für die im Krieg getöteten Kommandeure zusammen. Wie im Staatsfernsehen zu sehen war, versammelten sich zahlreiche Menschen im Zentrum.