Irans neuer Führer fordert Rache

von Redaktion

Warnungen vor Chaos: In Teheran kam es zu einer der heftigsten Angriffswellen des Krieges. Berichten zufolge wurden auch Ziele auf offener Straße angegriffen. © AFP

Teheran/Tel Aviv – Es ist ein erstes Lebenszeichen, zumindest soll es so verstanden werden. Mojtaba Chamenei, die neue oberste Autorität des Mullah-Regimes im Iran, hat sich am Donnerstag im Staatsfernsehen zu Wort gemeldet. Allerdings trat der 56-Jährige nicht persönlich auf, stattdessen ließ er eine Rede verlesen. Die scharfe Botschaft an die Iraner: Er verlangt Rache für die Opfer, die der Krieg gegen Israel und die USA bisher forderte.

„Besonders empfindlich sind wir gegenüber dem Blut unserer Kinder“, hieß es in der Rede. Gemeint sind die 170 Schülerinnen, die Berichten zufolge bei einem US-Angriff auf eine Schule im Süden des Landes getötet wurden. Chamenei forderte die Iraner zudem zum Zusammenhalt auf und kündigte an, die Straße von Hormus weiterhin blockieren zu wollen. Vom „Feind“ werde man Entschädigung verlangen.

Chamenei war vor wenigen Tagen zum Nachfolger seines getöteten Vaters Ajatollah Ali Chamenei ernannt worden. Allerdings zeigte er sich bisher nicht öffentlich. Angeblich soll er bei einem Angriff schwer an den Beinen verwundet worden sein. Womöglich ist seine Zurückhaltung aber auch der Tatsache geschuldet, dass Israels Regierung ihn längst zum nächsten Ziel ausgerufen hat.

Auffällig in seiner Rede: Für die benachbarten Golfstaaten fand Chamenei sanftere Worte. Er sprach von warmen und konstruktiven Beziehungen, bemerkte aber auch, dass die arabischen Staaten für den Krieg gegen den Iran genutzt werden. Die iranischen Streitkräfte hätten dort lediglich auf US-Ziele geschossen. „Wenn es nötig ist, werden wir dies weiterhin tun.“ Die Golfstaaten müssten ihre Haltung gegenüber den USA klären, forderte Chamenei und forderte sie auf, US-Stützpunkte zu schließen.

Der Krieg dauert inzwischen knapp zwei Wochen – und über die Frage, wie lange er noch zu führen ist, gibt es unterschiedliche Ansichten. Vor allem US-Präsident Donald Trump signalisiert immer wieder, dass man sich aus seiner Sicht einem Ende nähere. „Sie sind so ziemlich am Ende der Fahnenstange“, sagte er zuletzt über die Abwehrfähigkeiten Teherans. Die Botschaft zielt vermutlich besonders nach innen: Auch bei Trumps MAGA-Basis ist der Krieg unpopulär, ein schnelles Ende ist aus Trumps Sicht wünschenswert.

Dass Trumps gestrige Botschaft seinen Anhängern gefällt, darf man bezweifeln. Die steigenden Ölpreise nannte der Republikaner im Onlinedienst Truth Social „zweitrangig“. Immerhin gehe es darum, das „Reich des Bösen“ am Bau von Atomwaffen zu hindern. Die US-Amerikaner, die ihre politischen Sympathien nicht zuletzt an Spritpreise knüpfen, dürften das anders sehen.

Neue Bombardierungen der israelischen Luftwaffe in Teheran lösten unterdessen Sorgen vor Chaos aus. Am späten Mittwochabend kam es zu einer der heftigsten Angriffswellen des Krieges, wie Bewohner der Millionenmetropole berichteten. Dabei wurden den Angaben nach erstmals auch Ziele auf offener Straße in der dicht besiedelten Großstadt bombardiert. Laut der Nachrichtenagentur Fars, die den mächtigen Revolutionsgarden nahesteht, kam es in Teheran zu Explosionen sowie zu nicht näher beschriebenen „Zusammenstößen“.

Währenddessen setzte der Iran seinen Beschuss der wichtigen Energie-Infrastruktur in der Region fort. In Bahrain griff er nach Angaben örtlicher Behörden Treibstofflager nahe dem internationalen Flughafen an. Im Oman wurden Treibstofftanks im Hafen von Salala von Drohnen getroffen. Die Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Handelsschifffahrt in der Region seit Kriegsbeginn fast komplett zum Erliegen gebracht. Der Krieg schaffe die „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“, teilte die Internationale Energieagentur IEA mit.DPA/MMÄ

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