Die Merz-Mission fürs Weltall

von Redaktion

Nach Besuch des Weltraumbahnhofs machte sich Kanzler Merz ein Bild vom Nato-Manöver Cold Response. © ASERUD/AFP

Andenes – Auf dem Weg zu einer unabhängigen europäischen Raumfahrt wollen Deutschland und Norwegen in Zukunft enger zusammenarbeiten. „Wir haben uns viel zu lange auf andere Trägersysteme und andere Nationen in der Welt verlassen“, sagte Kanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitag bei einem Besuch des norwegischen Weltraumbahnhofs Andoya, 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. „Dies ist jetzt die Stunde Europas.“

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Ministerien und Industrie beider Länder solle die Möglichkeiten für eine engere Kooperation ausloten, sagte der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. „Die Gruppe wird mit Vorschlägen für konkrete Projekte arbeiten, mit Zeitplänen und möglichen Verbindungen zu den Rahmenwerken von EU und Nato.“

Die Raumfahrt sei ein immer wichtigerer Bereich, in dem sich die beiden Länder ergänzten, betonte der norwegische Regierungschef: „Deutschland hat eine große industrielle Breite – und hier in Norwegen haben wir Technologie, etablierte Forschungsfelder und eine einzigartige strategische geografische Lage.“

Merz war am Donnerstagabend mit einem Truppentransporter der Luftwaffe in Andenes auf der Insel Andoya eingetroffen. Zusammen mit Støre besichtigte er am Freitag den Andoya Space Port, der auch für Deutschland das Tor zum Weltraum ist. Vor rund einem Jahr schickte das deutsche Start-up Isar Aerospace von dort aus die Orbitalrakete „Spectrum“ in den Himmel, die für den Transport erdnaher Satelliten in die Umlaufbahn gedacht ist. Nach nur 30 Sekunden stürzte die Rakete ab, das Unternehmen zeigte sich wegen wertvoller Ergebnisse trotzdem zufrieden.

Am 19. März soll es für Isar Aerospace nun ernst werden. Erstmals soll eine der 30 Meter langen „Spectrum“-Raketen mit fünf Satelliten ins All starten – wenn das Wetter mitspielt. Grund des großen Interesses in der europäischen Raumfahrtindustrie an dem Projekt ist die weitgehende Unfähigkeit Europas, Satelliten mit eigener Technik ins All zu schießen. Seit Langem wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space X des US-Milliardärs Elon Musk ins All befördert.

Von Andenes aus brach Merz zum Militärstützpunkt Bardufoss auf. Dort wollten er und Støre sich zusammen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney ein Bild von der Übung Cold Response machen, an der nach norwegischen Angaben mehr als 32.500 Soldaten aus 14 Nato-Staaten teilnehmen – darunter 1600 Bundeswehrsoldaten. Die Übung hat in diesem Jahr wegen des Konflikts zwischen den USA und Europa um Grönland eine besondere Bedeutung.

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