Frauenministerin wird langsam zur Feministin

von Redaktion

Karin Prien vor dem UN-Hauptquartier. © dpa

New York – Bei diesem Satz der Bundesfrauenministerin geht ein kleines Raunen durch die Reihen. „Ich bin nicht die geborene Kämpferin für den Feminismus, aber ich werde langsam eine“, sagt Karin Prien bei einem Empfang am Rande der UN-Frauenrechtskommission in New York. Das Bekenntnis der CDU-Politikerin überrascht einige der Geladenen im Deutschen Haus offenbar. Viele Frauen lächeln freundlich.

Prien, lange Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, übernahm im Mai 2025 das Bundesministerium mit der unaussprechlichen Abkürzung BMBFSFJ. Dort ist sie wieder für Bildung zuständig, hat aber neben Familien, Senioren und Jugend eben auch die Frauenpolitik im Portfolio. Nach knapp einem Jahr im Amt wird die 60-Jährige langsam warm mit dem Thema. Die Tage in New York dürften dazu beigetragen haben. International weht ein scharfer Wind gegen Frauenrechte. Und Prien findet, es sei Zeit, dagegenzuhalten.

„Gerade in New York bin ich dieser zunehmenden, zum Teil auch organisierten, revisionistischen, reaktionären Haltung begegnet“, sagt die CDU-Politikerin. Der Hintergrund: In der UN-Frauenkommission haben die USA versucht, eine gemeinsame Erklärung der Mitgliedsstaaten auszubremsen – wegen angeblicher „Gender-Ideologie“. Diesmal ist die Blockade gescheitert, weil die meisten übrigen Staaten zusammenhielten. Aber Prien ist gewarnt.

„Dabei wird deutlich, dass auch Bürgerliche wie ich, die errungene Rechte lange als selbstverständlich mitgenommen haben, sich dafür stärker einsetzen müssen“, sagt die stellvertretende CDU-Vorsitzende. „Man kann sich nicht darauf verlassen, dass andere das tun, dass etwa Aktivistinnen das für einen erledigen.“ Die Mitte der Gesellschaft sei gefordert.

Wer gut ist und sich einsetzt, kann alles schaffen, unabhängig davon, ob Mann oder Frau, das war ihr Credo. „Dieser Eindruck wurde bei mir erschüttert, als ich mein erstes Kind bekam. Von einem Tag auf den anderen war damit Schluss.“ Plötzlich sei sie im Beruf in einer anderen Kategorie verbucht worden, sagt die Mutter dreier erwachsener Söhne. „Da begann bei mir etwas, das ich einmal als Erfahrungsfeminismus bezeichnet habe.“

Das heißt wohl: täglich Beruf und Familie zu jonglieren, ohne dabei übergebügelt oder abgehängt zu werden. Prien war – zu Hause unterstützt von ihrem Mann – mehr als 20 Jahre lang Anwältin. Mit dem Wechsel ins Bundeskabinett 2025 kam zur Praxis die Theorie.

Artikel 10 von 11