WIE ICH ES SEHE

Moorgeflüster – ein lyrischer Bildband

von Redaktion

„Was denken Sie beim Wort Moor?“ Diese Frage stellt Christoph von Braun schon im Vorwort des Buches, das die von ihm geführte Andrea von Braun Stiftung (www.avbstiftung.de) vorgelegt hat („Moorgeflüster“, 2026, oekom verlag, München). Dieses Buch spannt einen weiten Bogen von Moorliteratur und Gedichten bis zur naturwissenschaftlichen Einordnung der Moorflächen. Fünf Prozent der deutschen Landfläche, insgesamt rund 1,9 Millionen Hektar, sind Moorboden. Aber Moor ist nicht gleich Moor. Hochmoore sind wie ein Uhrglas nach oben gewölbt. Sie speisen sich allein aus Regenwasser. Niedermoore dagegen erhalten ihr Wasser hauptsächlich von unten aus dem Grundwasser.

Moore haben auch etwas Unheimliches, wie im Krimi „Der Hund von Baskerville“. Und wer im deutschsprachigen Raum in die Schule gegangen ist, hat noch die Zeile im Kopf: „O schaurig ist’s, übers Moor zu gehn…“ Damit beginnt Annette von Droste-Hülshoffs Ballade „Der Knabe im Moor“. Christoph von Braun zeigt in seinem Buch, dass es noch viel mehr lyrische und erzählerische Moortexte gibt, von Klaus Groth auf Plattdeutsch („Dat Moor…“) bis zu Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg, wo das Moor landessprachlich „Luch“ heißt. Es gibt aber auch das Sehnsuchtslied „Die Moorsoldaten“. Es entstand 1933 im gleich nach der sogenannten „Machtergreifung“ errichteten Konzentrationslager Börgermoor. „Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor“, so heißt der traurige Refrain der armen Gefangenen, die aber doch noch Hoffnung hatten: „Einmal werden froh wir sagen: Heimat, Du bist wieder mein!“

Der preußische König Friedrich der Große hat damit begonnen, Moore durch Abzugsgräben in fruchtbares Ackerland für Siedlungen zu verwandeln. So sind 95 Prozent der Moore Deutschlands heute entwässert. Und das ist, so lernen wir aus dem Buch, nicht positiv, sondern eine erschreckende Armut, die in unsere ehemaligen Moorlandschaften eingezogen ist.

Dieses Buch will unser Bewusstsein dafür wecken, dass wir die noch vorhandenen Moore schützen müssen und trockengelegte Moore wieder neu vernässen sollten, wo immer es geht. Denn Moore sind noch sehr viel bessere CO2-Speicher als Wälder. Bäume können nämlich zusätzliches Klimagas nur so lange aufnehmen, wie ihre Holzmasse wächst. Wenn ein Baum stirbt und verfault, setzt er das gespeicherte Gas wieder frei.

Ganz anders ist es bei den Mooren. Sie sind in der Natur der effektivste Mechanismus zur Speicherung von CO2. Solange sie Wasser haben, versteht sich.

So ist dieses überaus lesenswerte Buch viel mehr als ein lyrischer Bildband. Das Besondere darin ist, dass seine umweltpolitische Botschaft völlig unaufdringlich, ohne Schaum vor dem Mund und ohne jede platte Propaganda daherkommt.

Die wunderschönen Moorbilder verstärken das, was dieses Buch im tiefsten Inneren ausmacht: eine tiefe Liebe zu unserer Natur wie zu unserer Sprache. Der von Braun und seiner Stiftung geschaffene Bildband hat damit heute schon etwas Zeitloses und Bleibendes.

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