München – Die bayerischen Bistümer haben im vergangenen Jahr mehr als 81.800 Mitglieder durch Kirchenaustritte verloren. Das sind etwa 5300 weniger als noch 2024, wie aus Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. Gestiegen sind dagegen die Austrittszahlen bei der evangelischen Landeskirche (ELKB). Rund 42.000 Menschen kehrten ihr 2025 offiziell den Rücken – das ist ein Anstieg im Vergleich zu 2024, als es 39.486 Austritte gab. Die Mitgliederzahl der Landeskirche rutschte damit unter die Zwei-Millionen-Marke. Die katholische Kirche kommt im Freistaat noch auf 5,3 Millionen Mitglieder.
Doch nicht nur die Austritte machen den Kirchen zu schaffen: Längst bestatten sie viel mehr Mitglieder, als sie durch Taufen neue hinzugewinnen. 29.782 Mitglieder der Landeskirche starben 2025, es gab nur 12.562 Taufen. Im Jahr zuvor registrierte die Statistik noch 13.633 Taufen. Ähnlich ist es bei den Katholiken. Für die bayerischen Bistümer registrierte die DBK 36.129 Taufen – und 60.758 kirchliche Bestattungen.
Immerhin: Die katholische Kirche scheint sich von den großen Austrittswellen in den Vorjahren etwas zu erholen: 2023 waren 106.663 Menschen im Freistaat aus der katholischen Kirche ausgetreten, im Rekordjahr 2022 sogar 153.586. Die sinkenden Austrittszahlen seien kein Grund zur Entwarnung, aber ein Hinweis darauf, dass die Aufarbeitung und Aufklärung der Missbrauchsfälle und die damit verbundenen Reformprozesse in der Kirche wahrgenommen und anerkannt werden, sagte der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl.
Besorgt äußerte er sich zur sinkenden Zahl der Priester. „Diese Entwicklung stellt uns vor große Herausforderungen. Umso wichtiger ist das Engagement der vielen Frauen und Männer, die sich in unseren Pfarreien einbringen. Kirche lebt von der gemeinsamen Verantwortung aller Getauften.“ Ohne dieses vielfältige Engagement wäre Seelsorge in vielen Bereichen heute nicht mehr möglich, so der Erzbischof. Deutschlandweit wurden 2025 nur 25 Diözesanpriester geweiht – so wenig wie noch nie in der bis 1962 zurückreichenden Statistik. In Bayern gab es nur sechs Priesterweihen.
Der evangelische Landesbischof Christian Kopp sagte: „Die rückläufigen Mitgliederzahlen zeigen deutlich, dass sich unsere Kirche in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befindet.“ Das fordere heraus, „Kirche zu profilieren und zu fragen, wie wir für die Menschen da sein können – mit Formen von Gemeinschaft, Glauben und Begleitung, die Menschen heute brauchen.“ Das seien auch neue Segensangebote für unterschiedliche Lebenssituationen.
Die Grünen warnten indes, bis 2035 müssten die beiden Kirchen voraussichtlich rund die Hälfte ihrer Immobilien abgeben. Einiges könne umgewandelt werden in Kindergärten, soziale Zentren, für kulturelle Veranstaltungen oder als Gemeindezentrum. Der Freistaat müsse die Kommunen finanziell stärker bei solchen Umwandlungen unterstützen.
„Es rollt ein Tsunami auf uns zu“, sagte die in der Landtagsfraktion für „Denkmalschutz“ zuständige Abgeordnete Sabine Weigand über die Gebäude-Problemlage. „Ohne neue Nutzung drohen vielen Gebäuden Verfall oder Verkauf.“