Estland fürchtet Russen-Einmarsch

von Redaktion

Tallinn/München – Nutzt Wladimir Putin die Gunst der Stunde, um jetzt Europa weiter zu destabilisieren? Während die Welt auf den Iran-Krieg blickt, propagieren seit Wochen russische Social-Media-Kanäle die Ausrufung einer „Volksrepublik Narva“ im Osten Estlands. In der Kampagne auf Telegram und Vkontakte wird dazu aufgerufen, Sabotageakte zu begehen und sich zu bewaffnen, um schließlich eine von Estland unabhängige „Volksrepublik Narva“ auszurufen, die dann von Russland anerkannt und verteidigt wird.

Laut dem estnischen Geheimdienst handelt es sich um eine Desinformationskampagne, die darauf abzielt, Verwirrung zu stiften und die Bevölkerung zu spalten. Rund 90 Prozent der 50.000 Einwohner der Stadt Narva sind russischsprachig. Bis zu 24 Prozent der Einwohner des EU- und Nato-Mitglieds Estlands sind russischstämmig, viele haben einen russischen statt eines estnischen Passes. Moskau wirft Estland immer wieder vor, die Rechte der Minderheit nicht zu schützen.

In den ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk mit starkem russischen Bevölkerungsanteil war das Ausrufen von „Volksrepubliken“ 2014 der erste Schritt zum Einmarsch der russischen Armee. Eine Quelle des estnischen Geheimdienstes erklärte denn auch gegenüber der „Bild“: „Wir können nicht ausschließen, dass damit ein russischer Einmarsch nach ukrainischem Vorbild von 2014 vorbereitet werden soll.“KR

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