Wird Donald Trump gerade zum Zeugen seiner eigenen Fehlbarkeit? Der Hochmut der ersten Kriegstage, als der US-Präsident den Sieg gegen die Mullahs quasi stündlich herbeiprahlte, schwingt im Moment jedenfalls spürbar um – allerdings nicht in Demut oder Einsicht, sondern in Wut. Seit dem Wochenende versucht Trump, sein Kriegsabenteuer zum Problem der Nato zu machen. Und natürlich bittet er nicht um Hilfe, sondern droht dem Bündnis mit einer „sehr düsteren Zukunft“, sollte es sich nicht fügen.
Es ist nur so: Die Nato ist ein Verteidigungsbündnis und kein Kriseninterventionsteam für festgefahrene US-Angriffe. Ein Beistandsfall lässt sich auch mit viel Fantasie nicht konstruieren – wenn sich Washington gegen etwas verteidigen muss, dann gegen den zutreffenden Vorwurf schlechter Kriegsplanung. Dass die Mullahs mit der Straße von Hormus einen wirkungsvollen Hebel in der Hand haben, hätte man im Weißen Haus wissen können. Die Skepsis in Berlin, London und anderswo, sich nun in einen zunehmend ausweglosen Krieg hineinziehen zu lassen, ist berechtigt.
Die Rechnung ist aus zwei Gründen trotzdem nicht so einfach. Erstens hat Trump schon angedeutet, dass er die ohnehin magere Unterstützung für die Ukraine weiter stutzen könnte, sollte sich Europa jetzt zurücklehnen. Das ist erpresserisch und angesichts der Tatsache, dass sich Putin gerade wieder über sprudelnde Öleinnahmen freuen darf, zynisch obendrein; aber in der Ära Trump eben eine Realität, die sich nicht ignorieren lässt. Zweitens ist es in unserem eigenen Interesse, den blockierten Seeweg wieder passierbar zu machen. Nicht nur die US-Wirtschaft leidet, sondern auch die unsere.
Eine Kriegsbeteiligung kann und darf es nicht geben – nicht der Nato, nicht Europas. Über alles unterhalb dieser Schwelle (Beseitigung iranischer Minen, Absicherung der Schifffahrt durch ein Bündnis einzelner Staaten) wird man, sofern es möglich ist, aber reden müssen. Tatsache ist: Trump hat sich selbst und auch uns in eine Sackgasse manövriert, aus der es keinen befriedigenden Ausweg mehr gibt. Jetzt geht es um Schadensbegrenzung. Und darum, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.