Paris – Ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben sich die Franzosen in der ersten Runde der Kommunalwahlen vielfach für Parteien am rechten und linken Rand entschieden. Kandidaten des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) stellen bereits nach der ersten Runde mehr Bürgermeister als je zuvor. Die Linkspopulisten legten ebenfalls zu. Völlig offen ist nach der ersten Runde das Rennen in Paris und Marseille.
„Wir sehen eine starke Wiederbelebung der Links-Rechts-Spaltung, vor allem an den Rändern“, sagte Adélaïde Zulfikarpasic vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos bva der Nachrichtenagentur AFP. Wenn es dem RN gelänge, eine Großstadt wie Marseille oder Toulon zu erobern, wäre das „ein starkes Symbol“ mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027. Kandidaten des RN erreichten in der ersten Runde bereits in 24 Kommunen die absolute Mehrheit. In 60 weiteren Gemeinden kamen sie auf Spitzenplätze, insbesondere im südfranzösischen Toulon.
Der größtmögliche Erfolg für den RN wäre Marseille, wo RN-Kandidat Franck Allisio mit 35 Prozent knapp hinter dem sozialistischen Amtsinhaber Benoît Payan liegt. Zu den am Sonntag im Amt bestätigten RN-Bürgermeistern zählt Louis Aliot im südfranzösischen Perpignan, der bislang größten Stadt mit einem RN-Bürgermeister. Aliot ist allerdings gemeinsam mit RN-Fraktionschefin Marine Le Pen in einem Veruntreuungsverfahren angeklagt und könnte im Fall einer Verurteilung das Amt wieder verlieren.
RN-Vize-Parteichef Sébastien Chenu rief die konservativen Kandidaten zu Wahlbündnissen in der zweiten Runde auf. „Wir sind der beste Wall gegen die Linken und die Linksextremen“, sagte er.
Am anderen Ende des politischen Spektrums schnitten Linksaußen-Kandidaten in Großstädten wie Toulouse und Lille überraschend gut ab. In Paris qualifizierten sich gleich fünf Kandidaten für die zweite Runde. Dazu zählt die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati, die auf 25 Prozent kam. Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl gelten die Ergebnisse als unverbindlicher Stimmungstest.