Wird das doch unser Krieg?

von Redaktion

München – Zwei unbemannte Boote, beladen mit Sprengstoff, prallen gegen den Tanker „Safesea Vishnu“ – dann die Explosion. Flammen schießen in den Nachthimmel, Schreie hallen über das Wasser des Persischen Golfs. Ein indisches Crew-Mitglied kommt bei der Attacke ums Leben. Den Angriff in der Nacht auf den 12. März haben Irans Revolutionsgarden für sich reklamiert. Nach ihrer Darstellung gehörte der unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Tanker einem US-Unternehmen. Der Persische Golf, insbesondere die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports fließt, ist Kriegsschauplatz – der Schiffsverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen.

Was die Weltwirtschaft lähmt, bringt Deutschland nun in eine zusätzliche politische Zwickmühle. US-Präsident Donald Trump erwartet die Unterstützung der Nato-Partner bei der Sicherung der Straße von Hormus. Andernfalls sehe die Zukunft des Verteidigungsbündnisses „sehr düster aus“, droht er in einem Interview mit der „Financial Times“.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte erst am Freitag, der Konflikt mit dem Iran sei „nicht unser Krieg“. Am Montagabend legte er in deutlichen Worten nach. Die Nato sei ein Verteidigungsbündnis und kein Interventionsbündnis, sagte er im Kanzleramt. „Deswegen wünsche ich mir, dass wir auch mit dem notwendigen Respekt im Bündnis hier miteinander umgehen.“ Man teile das Ziel eines Endes des iranischen Regimes, sagte Merz. „Aber das herbeizubomben, wird nach allen Erfahrungen, die wir auch in früheren Jahren und Jahrzehnten gemacht haben, aller Voraussicht nach nicht gelingen.“

Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) stellt klar: Deutschland werde keine Kriegsschiffe in die Straße von Hormus entsenden. „Wir wollen diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende, aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht bei.“ Und Außenminister Johann Wadephul (CDU) sagt, die Allianz sei zuständig für ihr Bündnisgebiet, nicht für den Schutz des Schiffsverkehrs in der Meerenge.

Markus Söder, der als CSU-Chef auch Einfluss auf die Linie der Bundesregierung nehmen kann, ist ebenfalls skeptisch. Ihm sei die Strategie der Amerikaner in diesem Krieg „nicht ganz klar“. Dass es den Iranern gelungen sei, die Straße von Hormus zu sperren, sei „überraschend“. Den Kanzler-Satz ergänzt Söder um vier Worte: „Es ist nicht unser Krieg, aber wir sind betroffen.“

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), fordert hingegen eine direkte deutsche Beteiligung. Bei einer möglichen Ausweitung der EU-Marine-Mission „Aspides“ zum Schutz der zivilen Schifffahrt im Roten Meer auf die Straße von Hormus müsse auch die Bundeswehr mitmachen. „Es ist jetzt zwingend, die Bewegungsfreiheit in den internationalen Handelswegen wie bereits im Roten Meer auch militärisch zu verteidigen“, sagt er dem „Spiegel“.

Könnte Deutschland also in den Krieg hineingezwungen werden? „Ich kann nicht hundertprozentig sagen, wie es ausgeht“, sagt Söder. Er habe „Vertrauen in Merz“. Zudem hätten die Amerikaner selbst „ganz andere Kapazitäten“.

Dazu gehört auch Drohpotenzial: Trump deutete an, er könne die Unterstützung der Ukraine an europäische Militärhilfe in der Straße von Hormus knüpfen. Die US-Regierung habe der Ukraine bei der Verteidigung gegen Russland geholfen, sagte er. Im Gegenzug erwarte er Hilfe von den europäischen Verbündeten. Söder betonte mit Blick auf die Drohkulisse, der deutsche Blick müsse „immer auf die Ukraine“ gerichtet sein. „Was die Ukrainer leisten, ist nahezu übermenschlich.“

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