Trump greift nach Kuba

von Redaktion

Nichts geht mehr: An der Uferpromenade Malecón wartet ein Verkäufer während eines Stromausfalls auf Kunden. © dpa

München – Für einen, der sich im Nahen Osten gerade zu verzetteln droht, nimmt Donald Trump den Mund ziemlich voll. Kuba sei ein „sehr geschwächtes Land“, sagt der US-Präsident an seinem Schreibtisch im Oval Office. Tolles Wetter, wunderschöne Insel, aber im Großen und Ganzen „am Ende“. „Ich glaube, mir wird die Ehre zuteil, Kuba einzunehmen“, murmelt er dann. „Ich kann damit machen, was ich will.“

Übernahme – Trump sagte das in den vergangenen Wochen immer wieder. Kuba habe kein Geld mehr, die Menschen litten unter einer humanitären Krise, das wolle er nicht sehen. Nicht lange her, da hätte man das noch als taktisches Aufplustern abgetan, um den Druck zu erhöhen. Aber seit den US-Interventionen in Venezuela und im Iran sieht das anders aus.

Dass die USA einen Regimewechsel auf der sozialistisch regierten Insel nur zu gerne sähen, ist kein Geheimnis. Seit dem Schweinebuchtdesaster von 1961, als Washington mit einer Invasion scheiterte, scheuten sich US-Regierungen aber vor neuen Versuchen. Bricht Trump nun damit?

Bisher sieht es nicht nach einem militärischen Einschreiten aus. Stattdessen tut der US-Präsident alles dafür, den Karibikstaat an den Rand des Ruins zu bringen. Er hat ein Ölembargo über die Insel verhängt und droht allen Staaten, die es umgehen, mit Sanktionen: Vor allem die ausbleibenden Lieferungen aus Venezuela, wo seit der Entführung von Nicolás Maduro eine Regierung von Trumps Gnaden das Sagen hat, treffen Havanna hart.

Seit Wochen kommt es zu Stromausfällen, erst am Montag brach das Netz völlig zusammen. Der Effekt: Die Regierung unter Präsident Miguel Díaz-Canel war gezwungen, Verhandlungen mit Washington aufzunehmen. Man suche nun „auf dem Wege des Dialogs nach einer möglichen Lösung“, sagte Díaz-Canel jüngst. Auch Trump sprach noch am Sonntag von einem baldigen Abkommen – sonst werde man „tun, was nötig ist“. Dass Verhandlungen kein Schutz vor einem Angriff sind, haben schon Maduro und das Mullah-Regime zu spüren bekommen.

Experten halten eine militärische Intervention derzeit für unwahrscheinlich, zumal die USA im Iran stark gebunden sind. Dem Ziel, ähnlich wie in Venezuela eine gefällige Führung zu installieren, nähert sich Washington auch so. Interessant: Dabei könnte auch Raúl Rodríguez Castro eine Rolle spielen, der Enkel Raúl Castros. Er traf sich laut „Miami Herald“ Ende Februar am Rande eines Gipfels mit Beratern von US-Außenminister Marco Rubio.

In jedem Fall scheint Trump die offene Kuba-Frage möglichst schnell klären zu wollen. Dafür spricht nicht nur die neue nationale Sicherheitsstrategie, in der die USA die Vorherrschaft über die sogenannte westliche Hemisphäre beanspruchen. Möglicherweise sei die jetzige Zuspitzung auch „der Versuch eines Befreiungsschlags, weil es im Iran nicht so läuft, wie Trump wollte“, sagte der Sicherheitsexperte Klemens Fischer dem ZDF.

Die wirtschaftliche Misere treibt inzwischen auch die krisenerprobte Bevölkerung auf die Straße. Berichten zufolge verwüsteten Demonstranten jüngst in der Stadt Moron ein Büro der Kommunistischen Partei. Videos zeigen, wie wütende Kubaner Akten, Computer und Möbel aus dem Gebäude schleppen und in Brand setzen. Für Kuba, wo es kaum zu Demonstrationen kommt, ist das höchst ungewöhnlich. So sehr, dass Präsident Díaz-Canel reagierte. Er verstehe die Unzufriedenheit der Bevölkerung, sagte er. „Was niemals verstanden oder gerechtfertigt werden kann, ist Gewalt.“ Der Satz dürfte sich gleichermaßen an Trump richten.MIT DPA

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