Auf dem Rücken der Patienten

von Redaktion

Therapeuten-Honorare

Psychisch Kranke und ihre Angehörigen haben keine Lobby – und ihnen fehlt in der Regel auch die Kraft für Kämpfe gegen Bürokratie und Politik. Insofern muss man fürchten, dass sich der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ganz bewusst ausgerechnet die Psychotherapeuten fürs Sparen ausgesucht hat – von deren Patienten, die ja direkt von diesen Sparmaßnahmen betroffen sind, ist am wenigsten Gegenwehr zu erwarten.

Die Therapeutenausbildung ist lang und teuer. Die Behandlung von psychisch kranken Menschen ist zudem belastender als etwa die Arbeit mit Knochenbrüchen. Auch deshalb ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn hier trotz Inflation und steigender Sozialabgaben Einkommenskürzungen beschlossen werden. Hinter diesem Honorar-Streit steckt aber mehr als das übliche gesundheitspolitische Gerangel ums Geld.

Angesichts der dramatisch ansteigenden psychischen Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen geht es um ein soziales Problem unserer Zeit. Anstatt hier Verbesserungen anzuschieben, wird es von Kassen und Politik noch weiter verschärft. Aber auch die Debatten um zu viel Krankschreibungen und längere Lebensarbeitszeit sind betroffen: Depressive, die monatelang auf Hilfe warten müssen, werden deutlich länger als Arbeitskraft ausfallen. Und Berufstätige, die ohne Therapie in den Burn-out rutschen, werden arbeitsunfähig – und ganz sicher nicht bis 70 im Job durchhalten.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

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