Job gesucht – im Krieg gelandet

von Redaktion

Nairobi/Kiew – Edison Kamwesigye glaubte den Worten eines Arbeitsvermittlers. Der erzählte dem 47 Jahre alten Ugander von der Möglichkeit, als Fahrer oder Wachmann in Russland zu arbeiten – so berichtet es Kamwesigyes Ehefrau Carol. Der Vermittler brachte ihn zusammen mit anderen Männern des ostafrikanischen Landes zur russischen Botschaft und half bei der Visabeschaffung. Wenige Tage später habe sie einen beunruhigenden Anruf erhalten. „Er sagte, diese Leute schicken uns in den Krieg“, erzählt sie. Es war das letzte Gespräch des Paares. Nur wenige Wochen nach der Ankunft Kamwesigyes in Russland berichteten andere Ugander, er sei bei Kämpfen in der Ukraine ums Leben gekommen. Carol Kamwesigye konnte nur vor einem leeren Sarg symbolisch Abschied nehmen.

Das Schicksal von Edison Kamwesigye ist kein Einzelfall, und nicht nur in Uganda trauern Angehörige um Männer, Väter, Brüder oder Söhne, die in russischer Uniform im Ukraine-Krieg starben. Was es mit der Arbeit im fernen Russland auf sich hatte, erfuhren sie erst, als es zu spät war. Auch aus Kenia und Südafrika sind Fälle bekannt.

Einem Bericht kenianischer Sicherheitsbehörden zufolge, der kürzlich im Parlament vorgestellt wurde, wurden mehr als 1000 Kenianer bisher von Einzelpersonen oder unseriösen Vermittlungsfirmen angeworben. Sie fanden sich an der Front in der Ukraine wieder oder wurden in der russischen Rüstungsindustrie eingesetzt. Mindestens 89 Kenianer waren im Februar in Kampfeinheiten an der Front, so der Bericht.

Russland gibt spärlich Auskunft zu afrikanischen Söldnern. Bekannt ist, dass es den Moskauer Streitkräften an Soldaten mangelt und die Anwerbung im eigenen Land schwieriger wird. Diese Woche äußerte Außenminister Musalia Mudavadi aus Kenia in Moskau seine Besorgnis wegen „Kenianern, die freiwillig oder unfreiwillig in das russische Militär eingereiht wurden“. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wiegelte ab. „Alle Bürger Kenias wie anderer Staaten nehmen an der militärischen Spezialoperation freiwillig teil in voller Übereinstimmung mit den russischen Gesetzen.“

Das kremltreue Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ berichtete mehrmals bewundernd über einen Studenten aus Kamerun, der sich 2024 freiwillig zum Kampf in der Ukraine gemeldet habe. Der Mann bringe als geübter Motorradfahrer Soldaten, Munition und Verpflegung an die vorderste Frontlinie. In sozialen Netzwerken finden sich Fotos afrikanischer Kämpfer, von russischen Kommentatoren als „unsere Schwarzrussen“ oder Afrorussen bezeichnet. Doch andere Internetvideos legen nahe, dass die Afrikaner als Kanonenfutter in hochgefährliche Einsätze geschickt werden, um den Weg für nachfolgende russische Soldaten freizukämpfen. „Schau, wie viele Einwegsoldaten! Und die singen noch fröhlich!“, sagte eine Männerstimme auf Russisch zu Aufnahmen einer Gruppe afrikanischer Soldaten im Schnee.

Wie weit verbreitet das Phänomen ist, behauptet man ausgerechnet auf der anderen Seite der Front – in der Ukraine – zu wissen. Insgesamt sollen seit dem russischen Einmarsch 2022 mehr als 24.000 Ausländer Verträge mit der russischen Armee unterzeichnet haben, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst mit.

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