Protest gegen Kürzung der Therapeuten-Honorare

von Redaktion

München – Die Krankenkassen müssen sparen. Deshalb wollen die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ab 1. April die Honorare für Psychotherapeuten um 4,5 Prozent kürzen. ,,Der gesetzlich vorgesehene Honorarvergleich mit Vergleichsgruppen aus der Ärzteschaft hat gezeigt, dass die niedergelassenen Psychotherapeutinnen und -therapeuten mit einer eigenen Praxis in den vergangenen Jahren überproportionale Honorarerhöhungen erhalten haben“, so die Argumentation.

Dabei unterschlagen die Kassen jedoch, dass Therapeuten, insbesondere Kinder- und Jugendtherapeuten, im Vergleich mit Fachärzten am schlechtesten bezahlt werden: Das Deutsche Psychotherapeuten-Netzwerk (DPNW) rechnet vor, dass Psychotherapeuten auf 86.000 Euro Jahreseinkommen kommen, Kinder- und Jugendtherapeutinnen auf nur 80.000 Euro. Weil oft mehrere Therapeuten in einer Praxis arbeiten, bleibe vielen nur ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 4200 Euro im Monat, wovon noch Einkommensteuer, Krankenversicherung und Altersvorsorge bezahlt werden müssen. Nach der Honorarkürzung werde der monatliche Ertrag auf 4000 Euro sinken.

Wegen der Honorarkürzung erwägen viele Therapeuten, nur noch Privatpatienten zu behandeln, für die es deutlich höhere Honorarsätze gibt. So müssen gesetzlich versicherte Patienten mit noch längeren Wartezeiten auf Termine beim Therapeuten rechnen.

Die Psychotherapeutin Johanna Alisa Jung startete eine Petition gegen die Honorarkürzung, die binnen weniger Tage schon von rund 373.000 Menschen unterschrieben wurde. Obwohl psychische Erkrankungen schon heute zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung gehören, werde jetzt die Versorgung geschwächt, die Menschen dabei hilft, psychische Krisen zu bewältigen, argumentiert die Therapeutin.

Auch das bayerische Gesundheitsministerium sieht die Kürzungen kritisch: „Es ist zu befürchten, dass sich diese Kürzung negativ auf die Patientenversorgung auswirken könnte“, so ein Sprecher des Ministeriums gegenüber unserer Zeitung. Man müsse die Folgen „beobachten und gegebenenfalls korrigierend eingreifen“.

Am heutigen Donnerstag um 15 Uhr ist eine Protestaktion gegen die Honorarkürzungen vor dem Bayerischen Gesundheitsministerium geplant.KR

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