WIE ICH ES SEHE

Nicht unser Krieg – wirklich?

von Redaktion

„Wenn hinten, fern in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen …“, dann war das einstmals für friedlich lebende Bürger nur Unterhaltungsstoff auf dem Osterspaziergang. Heute haben wir unweigerlich Anteil an jedem Krieg im Vorderen Orient so gut wie in der Ukraine.

Wenn trotzdem Bundeskanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius sagen, das Geschehen im Iran, das ist nicht unser Krieg, Deutschland macht militärisch nicht mit, dann ist das eine Botschaft an die USA, deren Präsident gerade dabei ist, lange schwelende Konflikte auf seine Art aufzureißen.

Vor allem ist es verständlich, denn wer will sich schon in einen Krieg ziehen lassen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist? Der Bundeskanzler fügt noch fast beleidigt hinzu, Washington habe die europäischen Verbündeten nicht zurate gezogen, bevor der Krieg begann. „Wir hätten abgeraten“, meint Merz zu dieser Krise, für die aber immerhin auch nach seiner Meinung das Mullah-Regime die Verantwortung trage.

Diese ganze Wortdrechselei, dieses Herumreden um den heißen Brei ist verständlich angesichts des unberechenbaren Verhaltens des amerikanischen Präsidenten. Der hatte aber nur um die Zurverfügungstellung einiger Minenräumboote gebeten, um eine auch für unsere Energiewirtschaft wichtige Wasserstraße durch den Persischen Golf wieder freizubekommen. Da hätte auch Deutschland sich etwas flexibler zeigen können, so wie Frankreich und England es am Ende getan haben. Dies gilt umso mehr, als wir militärisch doch so schwach sind, dass niemand von Deutschland ernsthaft erwartet, dass wir wirklich in den Krieg hätten eingreifen können.

Trump ist wie ein störrisches Kind, aber seine Botschaften sind so vereinfachend, dass etwas hängen bleibt von dem, was er sagt. Da hätten wir ihm nicht die Chance geben dürfen zu sagen, die Deutschen erwarten von uns, dass wir sie verteidigen, was wir seit über 50 Jahren tun, um dieses Land zu schützen im Ernstfall. Wenn aber wir sie einmal um Hilfe fragen, in einer Situation, die uns überrascht hat, dann zeigen sie uns sofort die kalte Schulter. Wir werden uns daher merken, was für Bundesgenossen wir in ihnen haben.

Nach einem alten Bonmot wurde die Nato gegründet, um die Amerikaner in Europa engagiert zu halten und um die Russen aus Westeuropa rauszuhalten. Auch das ist unverändert aktuell. Russland nämlich ist der eigentliche Schutzpatron des Iran und all seiner Machenschaften, die das Mullah-Regime im Vorderen Orient angerichtet hat, bis in den Libanon und vor Kurzem auch bis nach Syrien.

Gerät Trump im Iran-Krieg immer mehr in Schwierigkeiten und unter Druck, könnte es Putin sein, der ihn vor vollkommenem Gesichtsverlust bei den amerikanischen Wählern rettet. Er hat in Teheran jeden Einfluss. Wirtschaftlich ist Russland bis auf Weiteres der Gewinner dieser Krise. Zu den verdoppelten Ölpreisen kommt die US-Freigabe zum Kauf von russischem Öl, auch wenn es sich auf russischen Schattenflotten befindet.

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