Wählen gehen, notfalls den Zweitbesten

von Redaktion

Bayern vor der Stichwahl

Es ist kurios: Wer die Millionenstadt München regieren soll, wird am Sonntag entschieden von den Münchnern, die nicht zur Wahl gehen. Ob die CSU-Wähler, deren Kandidat eh draußen ist, sich überhaupt noch mal zur Wahl durchringen, könnte der entscheidende Faktor im mutmaßlich knappen Rennen von Stadt-SPD und Grünen sein. Umgekehrt gibt‘s die Konstellation in mehreren Landkreisen, dass Mitte/links-orientierte Wähler nur noch die Stichentscheidung zwischen CSU- und FW-Kandidaten haben. Für jeden dieser Fälle gibt es einen klaren Appell: Trotzdem wählen gehen! Demokratie bringt keine besseren Ergebnisse, wenn Demokraten beleidigt zu Hause auf dem Sofa hocken.

Wahlgang eins war ein Warnschuss für alle, ob Gemeinde oder Millionendorf, die gedacht haben, es werde eh schon so ausgehen wie immer. Irrtum. Die Kommunalwahl 2026 lehrt, dass es viel weniger Gewissheiten gibt: kaum noch einen Amtsbonus, auch nirgends mehr einen großen Partei-Vorteil. Wenn Kandidaten nicht bürgernah, agil, modern genug sind, werden sie halt schlechter gewählt; wer sich vor Podiumsdiskussionen drückt, vor Medien wegläuft oder sich nicht ins Internet traut, spürt das am Ergebnis. Bayern hat sich da, auch durch Zu-/Wegzug, verändert. Man kann auch sagen: Die Wähler nutzen ihre große Macht mitleidlos. Umso klarer muss man als Mindestmaß verlangen, dass sich beim Stichwahl-Duell A gegen B die Menschen eine Meinung bilden und aktiv eine Entscheidung treffen. So schwer ist das nicht.

Am Sonntagabend endet auch das zweiwöchige Sich-auf-die-Zunge-Beißen in jenen Parteien, die frustriert aus dieser Kommunalwahl schleichen. Eine offene Fehleranalyse – Kandidat, Team, Strategie – ist in einigen Orten nötig. Das Rausreden auf einen Bundestrend wirkt nicht in der lokalsten und persönlichsten aller Wahlen. Es gab auch wenige überregional entschiedene Themen, die die Wahlkämpfe vor Ort prägten, am ehesten noch Streit zur Krankenhausplanung. Der Schwerpunkt bleibt auf lokalen Fragen, teils Richtungsentscheidungen für Tourismus, Stadtplanung, Verkehr, und eben die Persönlichkeit der Kandidaten. Das ist gut so, aber legt eben auch in aller Härte offen, wo Planung, Personalien und Wahlkämpfe geglückt oder gefloppt sind.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET

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