Wie die Bahn pünktlicher werden soll

von Redaktion

Berlin – Nicht einmal sechs von zehn Zügen im Fernverkehr sind derzeit pünktlich unterwegs. Nun hat eine Taskforce mit allen an der Bahnbranche Beteiligten 22 Vorschläge erarbeitet, die den Verkehr etwas zuverlässiger machen sollen. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) spricht von einem „Meilenstein“ seiner Agenda für zufriedene Kunden. Doch es gibt auch Kritik.

Es sollen vor allem die Engpässe an den größten Knotenbahnhöfen zumindest teilweise beseitigt werden. Sieben Städte und zwei Grenzübergangsstellen für den Güterverkehr sind die für viele Verzögerungen ursächlichen Knotenstationen. Im Personenverkehr sind dies Hamburg, Köln, Hannover, München, Mannheim, Berlin und Frankfurt, im Güterverkehr die Grenzübergänge Bad Schandau und Frankfurt/Oder.

Die Beteiligten aus Bund, Ländern und Branche sind sich zwar über die Probleme einig. Doch wenn es um konkrete Einschnitte geht, treffen verschiedene Interessen aufeinander. Dabei geht es vor allem um die Frage, inwieweit Züge zugunsten der Pünktlichkeit gestrichen werden sollten. Dies sei nur als Ultima Ratio eine Lösung, also wenn es gar nicht mehr anders geht. So steht es im Abschlussbericht der Taskforce. Er freue sich, dass diese Idee „vom Tisch ist“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). Er betonte, die Länder seien von Anfang an gegen diese Idee gewesen.

So einfach, wie sich eine Ausdünnung des Verkehrs anhört, ist es auch nicht. Betroffen wäre vor allem der Nahverkehr. Die Betreiber der S-Bahnen oder Regiozüge würden Einnahmen verlieren. Den Unternehmen und den Ländern, die sie finanzieren, geht es finanziell ohnehin schon nicht gut. Hinzu kommt, dass der Europäische Gerichtshof in dieser Woche das System der Schienenmaut in Deutschland gekippt hat. Damit kommen auf die Nahverkehrsunternehmen deutlich höhere Trassengebühren zu.

Als mögliche Lösungen hat sich die Taskforce erst einmal auf 22 weniger drastische Maßnahmen verständigt. Dazu gehören so genannte Joker-Gleise, die für unvorhergesehenen Verkehr freigehalten werden sollen. Außerdem soll eine Pufferminute eingeführt werden, die den Zugverkehr laut Fahrplan etwas verlangsamt, damit aber Anschlüsse mit höherer Wahrscheinlichkeit erreichbar macht. Darüber hinaus könnten Züge verlängert werden, um mehr Passagiere auf einmal zu transportieren oder schwächer ausgelastete Züge in eine entspanntere Ankunftszeit geleitet werden.

Die Experten schlagen noch eine Reihe betrieblicher Veränderungen vor, etwa einheitliche Verfahren bei Störungen oder die digitale Freigabe nach einer Streckensperrung. Elektronische Fahrplandaten sollen künftig täglich statt wöchentlich aktualisiert werden. Zugbetreiber sollen besser über Baustellen informiert und der Winterdienst verbessert werden. Die Bahn soll weitere Mess- und Instandhaltszüge anschaffen und an neuralgischen Stellen Ersatzteillager einrichten. Mit all den Maßnahmen zusammen erwartet das Bundesverkehrsministerium eine Verbesserung der Pünktlichkeit um drei bis vier Prozentpunkte. Das Ziel von 70 Prozent Pünktlichkeit peilt die Politik erst für das Jahr 2029 an.WOLFGANG MULKE

Artikel 11 von 11