In Rheinland-Pfalz galt lange die eiserne Endspurt-Regel: Die CDU führt die Umfragen an, aber am Ende gewinnt die SPD. Seit gestern ist das anders – und es ist nicht die einzige Gewissheit, die zerbricht. Nach 35 Jahren müssen die Sozialdemokraten die Macht in Mainz abgeben; die Vormacht, die von Scharping über Beck bis zu Dreyer reichte, ist gebrochen. Der Schock darüber dürfte noch tiefer sitzen als der nach der 5,5-Prozent-Klatsche in Baden-Württemberg.
Noch-Regierungschef Alexander Schweitzer, der im Duell der Farblosen der weniger blasse Kandidat war, ist das nur zum Teil anzulasten. Nicht ohne Grund ging er im Wahlkampf auf Distanz zur Bundespartei, die ihrerseits jetzt ein richtig dickes Problem hat. Klingbeil und Bas können einer Führungs- und Richtungsdebatte kaum aus dem Weg gehen. Gleichzeitig wird der Profilierungsdruck im Bund wohl steigen. Das Regieren wird auch für Kanzler Merz dadurch nicht leichter.
Einst war Rheinland-Pfalz positives Vorbild für die Ampel – mit Verspätung greifen nun auch hier die tektonischen Verschiebungen. Die stolze FDP: bedeutungslos. Die isolierte AfD: stärkste Oppositionskraft. Als einzig seriöse politische Kontrollinstanz der künftigen GroKo, die in Mainz diesen Namen immerhin noch verdient, bleiben nur die Grünen übrig. Für den Landtag bedeutet das eine Verarmung.