Nächster Versuch für Isar Aerospace

von Redaktion

Steil nach oben soll es heute vom Startplatz in Andøya im äußersten Norden Norwegens in Richtung Weltraum gehen. © Isar Aerospace

München/Andøya – Es ist ein spannender Tag für die deutsche Raumfahrtindustrie. Heute öffnet sich erneut ein Fenster für den Start der ersten deutschen privaten Trägerrakete Spectrum vom Startplatz in Andøya im äußersten Norden Norwegens. Daniel Metzler, CEO von Isar Aerospace, ist sich sicher, dass es schon beim zweiten Versuch klappt, die fünf Nutzlasten an Bord in einem niedrigen Erdorbit auszusetzen.

Experten zweifeln an einem so frühen Erfolg. Doch auch ein erneutes vorzeitiges Ende der Mission, wäre kein Fehlschlag. Denn jede Sekunde Flugzeit liefert wertvolle Daten für ein späteres Gelingen. Ein voller Erfolg wäre dagegen ein sensationeller Durchbruch für New Space, jenes junge Biotop zahlreicher Weltraum-Startup-Unternehmen, die aus dem Umfeld deutscher Universitäten, allen voran der TU München, entstanden sind. Neben der Ariane 6 und der aus deren Feststoffbooster abgeleiteten italienischen Vega hätte Europa einen dritten Zugang zum Weltraum erschlossen. Und Metzler hätte Elon Musk und dessen SpaceX in einer Disziplin geschlagen. Denn Musk erreichte den Orbit erst im vierten Anlauf.

Zahlreiche Unternehmen, vor allem im Münchner Umfeld warten schon lange auf den preiswerten europäischen Microlauncher. Viele haben bereits Verträge mit Isar Aerospace, sind aber bisher auf SpaceX angewiesen. Ariane ist zu teuer. So fahren sie bisher als zahlende Anhalter mit Musks Hilfe in Richtung Galaxis. Weit hinaus wollen sie ohnehin nicht. Ihr Ziel sind niedrige Umlaufbahnen in Erdnähe. Und ihre Satelliten sind klein, manchmal kaum größer als eine Schuhschachtel. Die Fähigkeiten von Ariane 6 reichen weiter in die geostationäre Umlaufbahn in 36.000 Kilometern Höhe und auch für Missionen Richtung Mond und selbst darüber hinaus zur Erkundung unseres Sonnensystems.

Die Wirtschaftszone Weltraum beginnt allerdings bereits in 100 Kilometern Höhe außerhalb der Erdatmosphäre. Hier spielt sich derzeit der größte Nutzen ab: Telekommunikation, Navigation, möglichst lückenlose Erdbeobachtung, das Entfernen oder Unschädlichmachen von Schrott. All das sind Themen, auf die sich junge Weltraumunternehmen konzentrieren.

Die zahlreichen Akteure im Sektor New Space würden mit einem eigenständigen europäischen privatwirtschaftlichen Zugang die Rolle Europas im All deutlich stärken und die Abhängigkeit von den USA verringern. Und auch die Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie Europas wäre nicht mehr darauf angewiesen, bei jedem Start unter US-Regie den Noch-Verbündeten, aber Kaum-mehr-Freunden ihre Geheimnisse offenzulegen. MARTIN PREM

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