Jetzt hat die Kommunalwahl im schwarzen Freistaat also doch noch ihren Knaller: Die mächtige rote Bastion München wird grün, nein: dunkelgrün. Nicht mal die Schützenhilfe der CSU konnte den taumelnden SPD-OB Dieter Reiter retten. Zu sehr hatten die Münchner in der FC-Bayern-Affäre das Vertrauen in den Langzeitregenten verloren; und zu attraktiv wirkte in dieser Generationenwahl der junge, gerade 35-jährige Angreifer Dominik Krause gegen den selbstgerecht und müde gewordenen Amtsinhaber, der viele an Kohl und Merkel in ihren Spätjahren erinnerte.
Krauses Erdrutschsieg überstrahlt das mit einem Minus von 4 Prozent zunächst maue Resultat von Bayerns Grünen. Umgekehrt wird die Wucht des Debakels in München für Söder gefährlich, erst recht in Kombination mit den schweren Stichwahl-Klatschen in Oberbayern (bei den Landratswahlen in Bad Tölz, Miesbach, Berchtesgaden, Landsberg und der OB-Wahl in Rosenheim) und dem unerwarteten Verlust von Bayerns drittgrößter Stadt Augsburg. Der grüne Durchmarsch in Söders Landeshauptstadt entfaltet hohe Symbolkraft. Ausgerechnet in der Glitzer-Metropole an der Isar herrscht, nur einen Steinwurf weg von Söders Staatskanzlei, jetzt die Partei, die der Landesvater bekämpft wie sonst nur die AfD.
Söders Gegner werden es an Spott für dessen Künstlerpech nicht mangeln lassen: Um die wirtschaftsnahe Grüne Katrin Habenschaden als Rathauschefin zu verhindern, ersann der CSU-Chef die „Lex Reiter“ mit der Wahlmöglichkeit für über 67-jährige Hauptamtliche. Stattdessen bekommt er nun den kulturell viel weiter links stehenden Krause und eine Kapitale, die unter grüner Führung bei den Megathemen Mobilität und Wohnraumbewirtschaftung noch experimentierfreudiger werden dürfte – aber anders, als bürgerliche Wähler außerhalb der hippen Isarvorstadt und Haidhausens sich das wünschen.
Krause ist kein Özdemir: Hoffnungen auf Grün-Schwarz kann die CSU begraben. Erst recht, weil der Sieger auf die Wahlempfehlung der CSU für Reiter verweisen wird. Die war dennoch richtig. Fragen stellen sollte sich dafür die SPD, die ihrem eigenen OB mit seinem mittigen Politikansatz zuletzt nur noch mit halber Kraft folgte. Wer soll eigentlich noch diese SPD wählen, deren linke Funktionäre lieber von Grün träumen als von Rot?
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