Söders Kampf um die Wurst

von Redaktion

Politik am Grill: Söder hier in Unterhaching mit Korbinian Rausch und Kerstin Schreyer. Rechts: Hubert Aiwanger © x/dpa

München – Kurz vor der Wahl kann man letzte Botschaften setzen und flammende Wahl-Appelle. Oder auch nicht. „Döner macht schöner“, ruft Markus Söder in die Menge in Rosenheim, stopft Fleisch ins Fladenbrot und reicht das Essen über die Theke. Hinter ihm: Drehspieß. Neben ihm: Knoblauchsauce. Vor ihm: 150 Meter Schlange am „King Imbiss“. Ja, auch das ist Wahlkampf, sieht unernst aus, ist aber das Schwerste an Einsatz, das der CSU-Chef aufbieten kann.

Söder verteilt kostenlos Döner in Rosenheim und Unterhaching, Leberkassemmeln in Landsberg, Wiener in Hof, Weißwürste in Wolfratshausen, Eis in Donauwörth, Grillgut in Dinkelsbühl, Bratwürstl im Allgäu: Zwei Dutzend Essens-Termine hat er in die Stichwahlphase gepackt, die Stände werden jeweils bestürmt. Kandidaten berichten, er habe sich mitunter selbst eingeladen. Strategie: niederschwellig mit großer Reichweite dort auftreten, wo es für die CSU knapp ist. Er wollte eigentlich weniger #söderisst-Kampagne machen, sei‘s drum – zur Stichwahl braucht keiner mehr mit Fachsymposien zur kommunalen Bauleitplanung ankommen.

Es geht also um die Wurst. Denn wie bitter der Nachgeschmack der Wahl bleibt, hat sich am Sonntagabend entschieden. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen hat sich die CSU, rechnet man die Listen der JU ein, halbwegs behauptet; landesweit 32,5 CSU-Prozent. Nun aber sind dutzende offene prominente Personalfragen entschieden. Nur in einer größeren Stadt, in seiner Heimat Nürnberg, setzen sich Söders Parteifreunde durch. Bei den Landräten ist das Resultat sogar in Teilen richtig schlecht.

Ganz im Süden machen die Freien Wähler, regional der Hauptgegner, Boden gut. Reihenweise gehen Landkreise für Söders Partei verloren: Ober- und Ostallgäu, Tölz, Miesbach, Berchtesgaden. Auch in Ostbayern, gestandende CSU-Amtsinhaber wie Martin Neumeyer in Kelheim stürzen, und zwar mit teils 40, 50 Punkten Abstand. Von einem „Flächenbrand“ sprechen spürbar schockierte CSUler. Die Mobilisierung habe nicht geklappt. Neumeyer wirft Bund und Freistaat zudem vor, sie hätten beim Streitthema Krankenhausplanung „gänzlich versagt“. Gute Nachrichten für Söder sind deutlich seltener; aus Freising zum Beispiel, wo ein FW-Landrat fällt.

In Summe hat die CSU nun rund 40 Landräte (vorher: 54), die FW bis zu 28 (14). In Bayern, wo Landräte („Regionalfürsten“) viel zu sagen haben, hat das hohen Wert. Dazu kommen bunte Flecken wie eine grüne Landrätin in Landsberg.

FW-Chef Hubert Aiwanger verbucht das als Sieg. Auch er war viel unterwegs, mit anderem Fokus. Etwa an der Tankstelle: „Ihr spinnt wohl“, postete er mit einem Foto der Preistafel. Vor allem am Alpenrand und in Ostbayern holen die FW Landratsämter, das in Miesbach mit 56 Punkten Vorsprung. Das könnte zur Halbzeit der Legislaturperiode heißen, dass Aiwanger auch im Landtag wieder kräftiger auftreten mag. Aus der CSU ist Murren zu hören. Der frühere Parteichef Erwin Huber verweist auf die Anti-Parteien-Stimmung und die zersplitterte Gesellschaft. Und klagt: „Die Freien Wähler machen gnadenlos auf Populismus.“ Aber Huber fordert: „Die CSU muss die Ergebnisse ehrlich analysieren.“Söder schweigt am Abend. Er sagte zuletzt einen Satz häufiger, der sich nur in Teilen bewahrheitet hat: „Wir können in jeder Stadt gewinnen, aber auch in jedem Dorf verlieren.“

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