Die Wähler-Watschn bei der bayerischen Kommunalwahl traf die CSU mit Zeitverzögerung, aber dafür mit umso größerer Wucht: 13 von 53 CSU-Landratsposten sind futsch, dazu mit Augsburg die drittgrößte Stadt, ebenso Schweinfurt und Rosenheim. Regensburg konnte entgegen den Erwartungen nicht erobert werden. Es hagelte Stichwahl-Pleiten am Sonntag. Dabei hatte die Söder-Partei nach der ersten Wahlrunde noch hoffen dürfen, mit leichten Blessuren und einem Minus von 1,5 % davonzukommen.
Was ist passiert? Edmund Stoiber, der CSU-Ehrenvorsitzende und Altmeister, hatte gewarnt: Wegen des Erstarkens der AfD würde die CSU diesmal weniger Chefsessel im ersten Wahlgang gewinnen können. In den Stichwahlen verbündeten sich dann wie von Stoiber vorhergesagt alle gegen die Staatspartei, vor allem die AfD ließ CSU-Leute auflaufen. Das „rechte Lager“, vor dem Grüne und SPD so inbrünstig warnen, erwies sich als Chimäre. Lachende Dritte waren die Freien Wähler, die die Zahl ihrer Landräte von 14 auf 28 verdoppelten.
Wenn die CSU ihre Dominanz in den Städten, Gemeinden und Landkreisen retten will, muss sie aus ihren Niederlagen lernen. Parteibindungen lassen nach, einen Amtsbonus gewähren die Wählerinnen und Wähler nicht mehr. Früher hieß es, die CSU brauche nur einen Besenstiel aufzustellen, um gewählt zu werden. Das ist lange vorbei. Will die CSU siegen, braucht sie vor Ort die stärksten Kandidaten und gute Ideen. Vor allem in Metropolen wie München, wo der honorige CSU-Mann zwar einen soliden Wahlkampf geführt hat, das großstädtische Publikum aber nur zum Teil erreichte. Vor sechs Jahren hatte es Kristina Frank immerhin noch in die Stichwahl geschafft. Doch war sie danach vom Münchner CSU-Establishment nicht weiter aufgebaut worden – eigene Machtambitionen waren wichtiger. Auch Wissenschaftsminister Markus Blume, selbst Münchner, kniff. Die FC-Bayern-Affäre von OB Reiter konnte damals noch keiner vorausahnen.
CSU-Chef Söder hat das akzeptiert, sich rausgehalten aus der Kandidatensuche, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, aus der Staatskanzlei in die Bezirke hineinzuregieren. Das war ein Fehler, wie er nun selbst andeutet. Ihm ist die Niederlagenserie dennoch nicht anzulasten, er hat mit großem Einsatz gekämpft und bleibt für die Partei unverzichtbar. Doch auch er muss sich neu erfinden, besser werden. Mit „Söder isst“-Klamauk sind die kritischer gewordenen Wähler, gerade in den das Land kulturell prägenden Metropolen, dauerhaft nicht zu begeistern.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET