FDP in der Krise: Parteichef Dürr wirft hin – vorerst

von Redaktion

Er geht (vorerst): FDP-Chef Christian Dürr. © Kappeler/dpa

München – Es waren 313 Tage, in denen Parteichef Christian Dürr versucht hat, das Ruder herumzureißen. Jetzt, nach der zweiten verlorenen Landtagswahl und den 2,1 Prozent für die Liberalen in Rheinland-Pfalz, haben der 48-Jährige und mit ihm der ganze Bundesvorstand ihr gelbes Handtuch geworfen. Vorerst. Beim Bundesparteitag Ende Mai will sich Dürr nämlich erneut zur Wahl stellen, zur Not auch in einer Kampfabstimmung. Der Hintergedanke: sich mit einer erhofften Wiederwahl Rückhalt in der Partei sichern. „Ich denke nicht daran, aufzugeben“, erklärt Dürr am Montag.

Sonderlich überraschend kommt der Vorerst-Rücktritt nicht. Schließlich hat die FDP bereits zwei Wochen zuvor in Baden-Württemberg mit bitteren 4,4 Prozent eine Wahlklatsche erlitten. Das kostete der Generalsekretärin Nicole Büttner nicht nur ihre Haare, sondern der Partei auch ihr Stammland, in dem sie ihr jährliches Dreikönigstreffen abhält.

Schon direkt danach wurden Rufe nach personellen Konsequenzen laut – ausgerechnet von jener Politikerin, die jetzt ihren Hut in den Ring wirft. Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte vor zwei Wochen von Dürr, „Verantwortung für Wahlergebnisse zu übernehmen“. Gleichzeitig erklärte sie da aber noch, es gehe ihr „nicht um persönliche Ambitionen“.

Jetzt scheint die erfahrene Europapolitikerin doch für den gerade wohl unbeliebtesten Job in ihrer Partei zur Verfügung zu stehen – allerdings nur als Teil einer Doppelspitze. Wolfgang Kubicki, mit dem Strack-Zimmermann schon beim Neujahrsempfang in Stuttgart eine Muppet-ähnliche Show abgeliefert hatte, winkt ab. „Ich bin schon verheiratet“, soll er laut „Spiegel“ auf den Vorschlag reagiert haben. Der „Bild“ sagt er aber: „Ich kneife nicht.“ Auch der parteiinterne Kritiker und NRW-Landesvorsitzende Henning Höne wird als Favorit gehandelt. Bisher lässt der rechtliche Rahmen der FDP eine geteilte Parteispitze ohnehin nicht zu. Beim Parteitag ist aber ein Änderungsantrag geplant.

Bis dahin müssen sich die Liberalen erst einmal sortieren. „Die Freien Demokraten müssen mit einem klaren Bekenntnis zur Freiheit und dem Eingeständnis, dass die Ampel ein Fehler war, um neues Vertrauen der Wähler werben“, sagt Michael Ruoff, Chef der FDP Bayern, unserer Zeitung. „Das erfordert mutige Entscheidungen!“LEONIE HUDELMAIER

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