Washington/Teheran – Donald Trump hat sein Ultimatum an den Iran nach „sehr guten Gesprächen“ mit der iranischen Führung wieder zurückgenommen. Ursprünglich hatte der US-Präsident Teheran aufgefordert, bis zur Nacht auf Dienstag die Straße von Hormus zu öffnen – andernfalls werde er Irans Kraftwerke zerstören lassen. Jetzt erklärte Trump, er habe produktive Gespräche über die „vollständige und endgültige Beilegung unserer Kampfhandlungen“ geführt. Für die kommenden fünf Tage würde es keine US-Angriffe auf Kraftwerke geben.
Trump sagte weiter, die USA verhandelten mit einer „Top-Person“ im Iran. Dabei handele es sich jedoch nicht um den obersten Führer der Islamischen Republik, Modschtaba Chamenei. Die Gespräche würden mit einem Mann geführt, „von dem ich glaube, dass er der angesehenste und der Führer ist“, sagte der US-Präsident. Es werde eine „sehr ernsthafte Form eines Regimewechsels“ geben, fügte er hinzu, ohne Namen zu nennen.
Die iranische Führung dementierte: Es gebe keinerlei direkte Kontakte zu Trump, auch nicht über Vermittler, so Irans Revolutionsgarden. Man habe noch nicht alle militärischen Kapazitäten ausgeschöpft. „Der Feind soll wissen, dass neue Überraschungen auf dem Weg sind“, sagte Abdullah Hadschi-Sadeghi, ein religiöser Vertreter der Revolutionsgarden. Die Islamische Republik werde sich niemals ergeben. „Wir sind in einer Schule erzogen worden, die Kapitulation als Erniedrigung betrachtet.“
Teheran hatte zuvor zu Trumps Ultimatum angekündigt, mit der Verlegung von Seeminen im Persischen Golf zurückzuschlagen. Jeglicher Versuch seitens der USA und Israels, die iranischen Küsten oder Inseln unter Beschuss zu nehmen, werde „natürlich und gemäß gängiger militärischer Praxis dazu führen, dass alle Zugangswege und Kommunikationslinien im Persischen Golf und in den Küstengebieten mit verschiedenen Arten von Seeminen“ versehen würden, erklärte der Verteidigungsrat des Landes.
Laut der Erklärung würden auch „Treibminen“ verlegt, „die von den Küsten aus eingesetzt werden können“. Minen seien „das effektivste strategische Mittel für Teheran, da sie Unsicherheit und Kosten erhöhen, selbst wenn sie keine Schiffe versenken“, so der Marineanalyst Tayfun Özberk. Die Sorge vor einer weiteren Eskalation ließ am Montag den Ölpreis explodieren und die Börsen abstürzen.
Sowohl im Iran als auch in Israel kam es derweil zu weiteren Angriffen. Aus der iranischen Hauptstadt Teheran wurde eine neue Welle israelischer Luftangriffe mit heftigen Explosionen in mehreren Bezirken der Millionenmetropole gemeldet. Zuvor hatte das israelische Militär den Beginn einer weiteren Serie umfangreicher Attacken auf Regierungseinrichtungen der Islamischen Republik verkündet. Wenige Stunden später informierte Israels Armee über eine neue Raketensalve, die aus dem Iran auf Israel abgefeuert worden sei. Anwohner wurden aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben.
Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon beanspruchte innerhalb von 24 Stunden mehr als 60 Angriffe auf Israel für sich. Hisbollah-Kämpfer hätten mit Raketen, Drohnen und Artillerie israelische Soldaten und Fahrzeuge im Grenzgebiet angegriffen.