„Bitte mehr Demut, Markus“

von Redaktion

Murren in der CSU hält an – Söder stellt klar: Kommunale Kandidaten werden weiterhin vor Ort benannt

Markus Söder mit Fraktionschef Klaus Holetschek. © dpa

München – Am Abend greift Markus Söder noch mal zum Handy. Er möchte was klarstellen. „Danke auch an all diejenigen, wo es keinen Erfolg gab, an jeden Einzelnen“, sagt der CSU-Chef in einer Videobotschaft nach der Kommunalwahl. „Wir gewinnen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam.“ Vor Ort, im Land, im Bund lägen Teilursachen. Und dann: „Natürlich werden Kandidaten weiterhin vor Ort ausgesucht, falls das in irgendeiner Form zu Missinterpretationen geführt hat.“

Söders Insta-Video macht in der CSU bald die Runde, denn er federt damit Aussagen seiner Pressekonferenz vom Vormittag ab, die für viel Wirbel gesorgt hatten. „Fehler vor Ort“ hatte er da als Hauptursache für die vielen Stichwahlen-Niederlagen genannt, eine falsche Kandidatenauswahl sowie als externen Faktor die Beobachtung, dass sich in den Stichwahlen alle inklusive AfD mit den Freien Wählern gegen die CSU verbünden. Söder sprach aus, fortan werde in der Münchner Parteizentrale stärker über Personalien mitentschieden.

Offenbar empfanden etliche Kommunalpolitiker, bis in die Landtagsfraktion hinein, das als Affront. Er lasse sich ungern als überfordert, zu analog und fehleranfällig beschreiben, sagt ein durchaus bekannter Unterlegener. Aus mehreren Regionen werden sehr scharfe Reaktionen der Basis übermittelt. Auch CSU-Generalsekretär Martin Huber durchlebt eine mäßig freundliche Videokonferenz mit der Jungen Union, als er wie Söder die Niederlagen regional erklärt.

Am Dienstagnachmittag tritt Söder in der Landtagsfraktion auf, fängt die Aussagen nochmals ein. „Tut mir leid“, wird er zitiert. Gleichzeitig beklagt er, öffentlich sei das falsch transportiert worden. Bei einem zentralen Teil seiner Analyse bleibt er, verschärft das sogar: Dass sich Freie Wähler direkt im AfD-Milieu um Stimmen beworben hätten, er nennt laut Teilnehmern Cham und Waldkraiburg. Der Grundton der Debatte mit den Abgeordneten: eher nachdenklich. Es gibt wachsenden Ärger über die Freien Wähler, die vor Ort anders sprächen, als ihre Landespolitiker in München abstimmten. „Ständige Fouls“ aus der Aiwanger-Truppe gebe es, sagt ein Abgeordneter verärgert. „Die kämpfen unter der Gürtellinie“, sagt Verkehrsminister Christian Bernreiter. JU-Chef Manuel Knoll fordert sogar, die CSU dürfe sich 2028 nicht mehr vorfestlegen auf FW als Koalitionspartner.

Dennoch gibt es vereinzelt Kritik aus der Fraktion an Söder, das kam bisher fast nie vor. Gerade aus Ostbayern, wo fast alle Stichwahlen am Sonntag verloren wurden. „Ich hätte mir von Dir mehr Demut erwartet, Markus“, wird der führende Haushaltspolitiker Josef Zellmeier aus Straubing zitiert. Die Basis erwarte sich zudem „weniger Döner, mehr Landesvater“ von ihm. Mehrere Teilnehmer klopfen zustimmend auf ihre Tische. Andere sagen, auch Familiengeld-Kürzung und Wassercent – Landespolitik – hätten Stimmen gekostet. Schärfer wird die Kritik nicht, die Runde wird heute fortgesetzt.CHR. DEUTSCHLÄNDER

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