Erklärt seine Strategie: Finanzminister Albert Füracker im Landtag © dpa
München – Im Sommer 2016 hat das Kabinett den Umzug eines Teils des Gesundheitsministeriums nach Nürnberg beschlossen. 16 Monate später wurde der neue Dienstsitz eingeweiht. Es war der erste große Aufschlag einer bayerischen Strategie zur Stärkung der Räume abseits der großen Zentren. Zehn Jahre später hat das Landesamt für Steuern neben München und Nürnberg auch eine Stelle in Zwiesel, und das Landesamt für Maß und Gewicht ist in Bad Reichenhall zu finden. Mehr als 60 Behörden mit mehr als 2000 Arbeits- und Studienplätzen seien in ländliche Regionen verlagert worden, bilanziert Finanzminister Albert Füracker (CSU) am Dienstag in seiner Regierungserklärung im Landtag – weitere Schritte sollen folgen. Für ihn „eine wahre Erfolgsgeschichte“. Denn profitiert hätten die Zielorte, die entlasteten Ballungsräume und auch viele Beschäftigte mit „weniger Pendelstress und mehr Zeit für die Familie“.
Geht es nach dem Finanzminister, wäre die Geschichte damit aber lange nicht auserzählt. Selbst wenn er darauf keinen direkten Einfluss hat, schlägt Füracker nämlich auch eine „Heimatstrategie der bayerischen Wirtschaft“ vor. Im Großraum München, aber auch in anderen Städten höre er von Unternehmen öfter Klagen: „riesige Gewerbesteuer, viel zu teure Standorte, kein Fachpersonal mehr, alles überfüllt und überlaufen“. Er weise dann immer auf bayerische Gegenden hin, „wo wir Räume haben, wo es noch Freude gibt, wenn ein Gewerbe ansiedelt“. Füracker nennt die Gebiete „nördliche Oberpfalz, Oberfranken, Bayerischer Wald, West-Mittelfranken – wo wir die größten Herausforderungen haben“. In München sei eine Erweiterung um 100 Beschäftigte manchen Medien nicht einmal mehr eine Notiz wert, dort hingegen würden sie „gefeiert und begrüßt – Sie sind vor Ort der Superstar“, richtet sich der Minister an die Unternehmer im Freistaat.
Kritik kommt von den Grünen. „Ein Job bei einer neu angesiedelten Behörde ist wenig attraktiv, wenn das Außenrum noch nicht stimmt“, sagt Fraktionschefin Katharina Schulze. Die Staatsregierung vernachlässige die Daseinsvorsorge. „Abgesehen von einer Arbeitsstelle müssen die Leute eine gute medizinische Versorgung gut erreichen können. Sie brauchen Läden, für die sie nicht erst in irgendein Gewerbegebiet fahren müssen, und sie wollen vielleicht auch mal mit dem Bus ins Büro oder woanders hinfahren“, sagt Schulze. Dabei gehe es ihr gerade auch um die bayerische Wirtschaft.SEBASTIAN HORSCH