Wahl in Ungarn: Diesmal muss Orbán zittern

von Redaktion

München – Viktor Orbán rief, seine Freunde folgten. Marine Le Pen, Herbert Kickl, Alice Weidel. Selbst Javier Milei, der Argentinier mit der Kettensäge, reiste nach Budapest; Donald Trump schickte ein Video, in dem er Orbán „totale Unterstützung“ zusagte. Es stehe mehr denn je auf dem Spiel, sagte der Gastgeber selbst. Er werde diese Wahl gewinnen und dann „das Tor der Progressiven in Brüssel einreißen“. Knapp drei Wochen sind es noch bis zur Wahl in Ungarn. Die extreme Rechte, die sich am Wochenende um ihre Galionsfigur versammelte, drängt auf eine Verlängerung für Orbán, der seit 16 Jahren durchregiert. Aber diesmal ist sie nervös, denn Orbán wackelt. Wegen Peter Magyar.

Der 45-Jährige hat gute Chancen, die Wahl am 12. April zu gewinnen. In Umfragen liegen er und seine Partei Tisza seit Monaten vorne, teils mit dickem Vorsprung. Er wird von großen Teilen der Opposition gestützt, Beobachter wittern eine Wechselstimmung. Entsprechend aggressiv führt Orbán seinen Wahlkampf. Neben der EU arbeitet er sich seit Monaten vor allem an einem ab: Wolodymyr Selenskyj. Überall im Land ist der ukrainische Präsident auf Plakaten zu sehen, teuflisch grinsend. „Damit Selenskyj nicht zuletzt lacht“, steht darauf. Die Botschaft ist eine der Angst: Der Ukrainer wolle Ungarn in den Krieg ziehen, behauptet Orbán. Besonders drastisch sind KI-generierte Videos. In einem wird ein Vater auf einem Schlachtfeld erschossen.

Es blieb nicht bei Videos und Plakaten, Orbán setzt auf offene Konfrontation. In Brüssel blockiert er den 90-Milliarden-Euro-Kredit für die Ukraine, dem er eigentlich schon zugestimmt hatte. Kiew wirft er vor, die Reparatur der beschädigten Druschba-Pipeline zu verschleppen, über die Ungarn Öl aus Russland bezieht.

Wie genau Magyar zur Ukraine-Frage steht, ist bis heute nicht ganz klar. Überhaupt bleibt er bei vielen Themen vage. Was man weiß: Er ist kein Linker, tickt (wert-)konservativ. In einer Frage aber positioniert er sich deutlich: Europa. „Er will den Bruch mit Brüssel kitten“, sagte der Wiener Politologe Carsten Schneider unlängst. Also: Ungarn aus der jahrelangen Isolation führen. Das missfällt vor allem einem, der in Orbán einen Verbündeten sieht: Wladimir Putin.

Berichten zufolge hat der Kreml-Chef schon vor Wochen ein Team auf Ungarn angesetzt, das bereits mehrfach versuchte, Wahlen in Europa durch Desinformation zu beeinflussen – zuletzt in Moldau. Laut „Washington Post“ soll der russische Geheimdienst zudem erwogen haben, ein Attentat auf Orbán zu inszenieren, um ihn zu stärken. Die Zeitung enthüllte gerade auch, dass Ungarns Außenminister Peter Szijjarto jahrelang EU-Interna an seinen russischen Amtskollegen durchgestochen haben soll, teils während laufender Sitzungen. Szijjarto, der oft Gast in Moskau ist, bestreitet das.

Magyar spricht von „Hochverrat“ und kündigt eine sofortige Untersuchung an, sollte er gewinnen. Zu seinen Plänen zählt auch, die in Brüssel eingefrorenen Milliarden zurückzuholen, um sie in Infrastruktur und Bildung zu stecken. Ob er kann, ist die Frage, denn das Wahlsystem begünstigt Orbáns Fidesz. Laut Experten müsste Magyars Partei fünf Prozentpunkte mehr holen, um die Mehrheit im Parlament zu bekommen.MMÄ

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