Drohnenplan für den Ernstfall

von Redaktion

Auch Drohnen werden verpackt: Eine Aufnahme aus einer Resilienzfabrik von Helsing – die Gesichter sind aus Sicherheitsgründen verfremdet. © Helsing

München – Es könnte eine recht gewöhnliche Pressekonferenz im schön gelegenen bayerischen Wirtschaftsministerium in der Münchner Prinzregentenstraße sein. Der Minister, ein hoher Vertreter des ansiedlungswilligen Unternehmens und der örtliche Bürgermeister präsentieren die Pläne für eine neue Industrieanlage im Münchner Umland, die Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze schaffen soll. Wenn da nicht dieses schwarze Ungetüm in der Ecke wäre. Eine HX-2-Drohne von Helsing, dort aufgebaut vermutlich für die Fotografen. Gebaut aber, um Schaden anzurichten – und um Schaden abzuwenden. Vielleicht auch bald in Hallbergmoos im Landkreis Freising.

Wie unsere Zeitung bereits in der Mittwochsausgabe berichtet hat, sichert sich das nach eigenen Angaben führende europäische Unternehmen für Verteidigungstechnologie mit Hauptsitz in Bayern dort gerade ein 250.000 Quadratmeter großes Grundstück, das es selbst als „Skalierungsoption“ bezeichnet. Soll heißen: Wenn die Auftragslage es nötig macht, will man dort bereits einen Standort haben, auf dem man schnell die Produktion ausweiten kann. Wann dort gebaut, und was produziert wird, ist aber noch offen.

Das was dort entstehen soll, bezeichnet das Unternehmen als „Resilience Factory“ – also Resilienzfabrik. Der Name zielt darauf ab, dass das aus diesen Werken, die Helsing nach eigenen Angaben auf dem gesamten Kontinent errichtet, bestehende Produktionssystem besonders widerstandsfähig sein soll – und die Fabriken so auch „im Falle des Falles noch produzieren können“, wie es Geschäftsführer Wolfgang Gammel beschreibt. Also auch dann, wenn es „unter Beschuss“ geraten sollte. Jeder Standort soll die Fähigkeit erhalten, auf lokale Lieferketten und Arbeitskräfte zurückzugreifen, verrät Helsing auf seiner Internetseite. Dafür, dass er sich über konkrete Sicherheitsmaßnahmen nicht weiter auslassen kann, bittet Gammel um Verständnis.

Für Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) steht besonders eine weitere Botschaft im Mittelpunkt. Das bayerische Hallbergmoos habe sich „durchgesetzt im bundesweiten Standortranking“. Weil es im Freistaat „starke Forschung“ und „politische Rückendeckung“ gebe sowie die Möglichkeit, „schnell Projekte zu realisieren“.

Bei Letzterem soll auch das bayerische Rüstungsgesetz helfen. „Jetzt wird’s konkret“, sagt Aiwanger. Die Initiative soll neue Bauvorhaben erleichtern und auch bisherigen Automobilzulieferern den Weg in die Verteidigungsindustrie einfacher machen. Der richtige Weg, glaubt Aiwanger: „Automobilisten wissen wie man automatisiert.“ Als Partner für eine sich ansiedelnde Verteidigungsindustrie seien sie somit „ideal“. Dass es mit dem Verteidigungshub in Erding noch eine Schnittstelle zur Bundeswehr gebe, sei ebenfalls von Vorteil.

Gammel bestätigt den Minister. „Prozesse, Kenntnisse und Fähigkeiten“ seien für sein Unternehmen enorm wichtig, wenn es darum gehe, „hochzuskalieren“ und die Entwicklung anzuschieben. „Die wissen, wie das funktioniert“, sagt er über die Autobranche.

In Hallbergmoos stößt das Vorhaben dem ersten Eindruck nach weitgehend auf Offenheit. Rund 300 Arbeitsplätze könnten entstehen. Für die Gemeinde sei wichtig gewesen, dass „nicht mit Sprengstoff hantiert“ wird, sagt Bürgermeister Benjamin Henn. Der Gemeinderat stimmte am Dienstagabend mit 16:6 dafür, Gammel war selbst anwesend. Das Unternehmen ist auffallend bemüht um einen sensiblen Umgang. Am Donnerstag ist vor Ort eine Informationsveranstaltung für die Bürger geplant. Natürlich wäre es für Helsing auch unter Sicherheitsaspekten von Vorteil gewesen, verdeckter zu agieren, gibt Gammel zu. „Aber das geht halt nicht in einer Demokratie.“

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