Der schönste Tag? Eine israelische Braut und ihre Familie sitzen in einem Schutzraum, nachdem Raketenalarm ihr Fotoshooting in einem Park unterbrochen hat. © Balilty/dpa
München – Sie verhandeln. Oder doch nicht? Es gebe direkte Gespräche, sagte US-Präsident Donald Trump jüngst, und zwar mit einer „Top-Person“ aus der iranischen Führung. Das klang nach Fortschritt, bloß: Teheran will davon nichts wissen. „Eure (eigenen) Konflikte haben die Stufe erreicht, dass ihr mit euch selbst verhandelt“, konterte ein Sprecher der Militärführung. „Wir werden uns niemals mit euch arrangieren. Nicht jetzt. Niemals.“
Die Frage, ob und wie Washington und Teheran miteinander in Kontakt sind, steht seit Tagen im Raum. Die Verwirrung ist groß. Mehrere US-Medien berichten nun, dass die USA dem Regime einen 15-Punkte-Plan für ein Ende der Kämpfe vorgelegt hätten. Teheran bestritt das zunächst, ließ dann übers Staatsfernsehen verbreiten, man habe „negativ“ auf den Vorschlag reagiert. Ein Regierungsvertreter sagte demnach: „Der Krieg endet, wenn der Iran beschließt, ihn zu beenden – und nicht, wenn Trump es will.“
Der US-Vorschlag soll weitgehende Forderungen enthalten, vor allem eine strikte Beschränkung des iranischen Atomprogramms. Auch die Straße von Hormus soll wieder geöffnet und von einer maritimen Einsatzgruppe mit Kräften der USA, Irans, Pakistans und einzelner Golfstaaten gesichert werden. Im Gegenzug sollen Sanktionen gegen den Iran fallen. Während einer einmonatigen Waffenruhe solle verhandelt werden. Ein Regimewechsel wird wohl nicht gefordert.
Verhandlungen mit dem Iran hatte es bis kurz vor dem Angriff Israels und der USA schon gegeben. Omans Außenminister Badr al-Bussaidi hatte Ende Februar sogar von einem „sehr wichtigen Durchbruch“ gesprochen – tags darauf begann der Krieg. Eine namentlich nicht genannte Quelle sagte der iranischen Nachrichtenagentur Fars, es sei grundsätzlich „nicht logisch, mit Vertragsbrechern in einen solchen Prozess einzutreten“. Man werde keine Waffenruhe akzeptieren.
US-Präsident Trump schien zuletzt händeringend nach einem Ausweg aus dem Krieg zu suchen, der ihm auch in den USA zunehmend Probleme bereitet. Verhandlungen wären insofern logisch, doch etwas anderes passt nicht ins Bild: Parallel schickt Trump offenbar rund 3000 Elitesoldaten in die Region. Laut „New York Times“ handelt es sich um Fallschirmjäger der 82nd Airborne Division, eine Art schnelle Eingreiftruppe mit großer Historie. Ihre Kämpfer landeten in der Normandie, in Vietnam und im Irak. Jetzt auch in Iran? Schon ist von einer möglichen Invasion der Insel Charg die Rede, dem wichtigsten Exportterminal für iranisches Erdöl.
Auch anderes spricht offenbar für eine Ausweitung der Kämpfe. Das „Wall Street Journal“ berichtete gerade, einzelne Golfstaaten seien kurz davor, in den Krieg einzusteigen. Als US-Verbündete sind sie seit Beginn des Krieges Angriffen aus dem Iran ausgesetzt, die in letzter Zeit eher zu- als abgenommen haben. Die iranischen Revolutionsgarden feuerten nach eigenen Angaben in der Nacht zu Mittwoch wieder Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain ab.
Vor allem Saudi-Arabien steht der Zeitung zufolge kurz vor einem Kriegseintritt. Kronprinz Mohammed bin Salman soll in den vergangenen Tagen vehement auf US-Präsident Trump eingeredet haben, jetzt nicht abzubrechen. Laut „New York Times“ sieht er eine „historische Chance“ zur Neugestaltung des Nahen Ostens. Die Saudis treibt offenbar auch die Sorge um, dass die Mullahs bei einem US-Einknicken die alleinige Kontrolle über die Straße von Hormus erhalten würden. Über den derzeit blockierten Seeweg verschifft Riad einen Großteil seines Öls.
Nach einer schnellen Einigung sieht es jedenfalls nicht aus. Iran ist weiter in der Lage, Israel und die Golfstaaten anzugreifen – in Tel Aviv und anderen Teilen Israels schrillte am Mittwoch Raketenalarm. Momentan liegt Trumps Deal in einiger Ferne.MMÄ/DPA/AFP