Als die Schauspielerin Collien Fernandes das schier Unglaubliche vor einer Woche öffentlich gemacht hat, war der Schock groß. Sie wurde gewalttätig erniedrigt und öffentlich im Netz gedemütigt vom eigenen Ehemann Christian Ulmen, so der Vorwurf. Die Rufe nach politischen Konsequenzen verhallen nicht, denn Solidaritätsbekundungen allein reichen nicht. Dieser Fall offenbart die erschreckenden rechtlichen Lücken in Deutschland, die zum Einfallstor für digitale Gewalt gegen Frauen und auch Kinder werden. Kein Wunder, dass Fernandes in Spanien Anzeige erstattet hat.
Das EU-Land geht schon länger hart gegen Übergriffe vor – bereits seit 2022 gilt etwa das „Nur Ja heißt Ja“-Gesetz. Damit sollen Frauen besser vor Vergewaltigungen geschützt werden. Und ja, schon da bezog Spaniens Regierung digitale Gewalt ausdrücklich mit ein.
Dass in Deutschland Justizministerin Stefanie Hubig jetzt auch mal mit einem digitalen Gewaltschutzgesetz um die Ecke kommt, ist allein der aktuellen Brisanz zu verdanken. Pornografische Deepfakes sind nicht erst seit einer Woche ein Problem. Mit dem alltäglichen Gebrauch von Künstlicher Intelligenz (KI) wird der digitale Missbrauch immer einfacher. Bereits vor zwei Jahren hatte die EU ihre Mitgliedstaaten aufgefordert, die Weitergabe von Nacktbildern zu bestrafen – einbegriffen waren da schon KI-Bilder. Doch in Deutschland hinkt man bei digitalen Herausforderungen bekanntermaßen deutlich hinterher. Wie sehr das Thema aber drängt, zeigt auch der Appell des Deutschen Richterbunds, der im aktuellen Fall „nur die Spitze des Eisbergs“ sieht. Es ist gut, dass dank Fernandes jetzt Bewegung in den zähen Gesetzesapparat kommt. Auf digitale Fehlentwicklungen muss Berlin künftig viel schneller reagieren. Es wird nicht immer eine mutige Frau geben, die sich laut wehrt.