Stuttgart – Bislang gab es nach der Wahlniederlage der CDU keinerlei öffentliche Kritik aus der Partei an Landeschef Manuel Hagel. Nun wird er massiv attackiert – in der kritischen Phase der Sondierungsgespräche mit den Grünen. Der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung, Bastian Atzger, wirft Hagel in der Mitgliederzeitschrift einen „schlecht geplanten und ungeschickt ausgeführten Wahlkampf“ vor, der den 14-Prozentpunkte-Vorsprung habe dahinschmelzen lassen.
Die Südwest-CDU stehe nun vor den „Trümmern einer Strategie“, schreibt Atzger. „Der Wahlkampf der Union glich einer Fahrt im Schlafwagen, die in kollektive Panik mündete und schließlich in Depression endete.“ Das „Rehaugen-Video“ sei zum Symbolbild der Kampagne geworden. Das Video hätten Polit- und Kommunikationsprofis schnell abgeräumt. Aber: „Hagels unbeholfene Reaktion entlarvte eine fatale Inhaltslosigkeit und eine fehlende Spontaneität.“ Atzger lobte Hagels Rivalen Cem Özdemir: „Er holte die Menschen durch eine geschickte Selbstpräsentation ab, wirkte nahbar und – trotz aller politischen Altlasten – integer.“ Hagel indes habe sich als biederer Familienvater vom Land verkauft. Er habe zu kontrolliert gewirkt, „mit auswendig gelernten Statements, ohne Authentizität.“