Nicht unser Krieg? Stimmt nur halb

von Redaktion

Wer sichert eine Waffenruhe ab?

Nun also doch. Die Bundeswehr, sagt der Verteidigungsminister, werde bei der Absicherung einer Waffenruhe im Iran helfen. Das kommt, fast vier Wochen nach Beginn des US-israelischen Krieges, reichlich spät, ist aber in der Sache richtig. Dass dieser Krieg nicht unserer sei, war von vornherein nur die halbe Wahrheit. Wir wollten ihn nicht, wir wurden vorher nicht gefragt, aber wir leiden ökonomisch massiv mit. Wer unsere Interessen schützen will, kann sich auf Dauer nicht einfach empört zurücklehnen.

Das Problem an Pistorius‘ Ankündigung liegt woanders, nämlich in der Ungleichzeitigkeit und Unabgestimmtheit, mit der Europas Nationen auf die Krise im Mittleren Osten reagieren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte schon vor Wochen, worauf die Bundesregierung jetzt erst kommt. Wenn es nicht mal die beiden Kernnationen des Kontinents schaffen, sich in einer so wichtigen Frage von vornherein zu koordinieren, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Welt unsere Zwergenhaftigkeit belächelt.

Was spräche dagegen, sich auf europäischer Ebene über Wege zur Sicherung der Straße von Hormus zu beraten – nicht irgendwann, sondern jetzt? Wo sind die Initiativen für eine gemeinsame, straff mandatierte Marinemission, mit unterschiedlichen Beiträgen und womöglich sogar unter EU-Flagge? Als es darum ging, ob europäische Truppen einen Frieden in der Ukraine absichern könnten, mussten Paris und London die Regierung in Berlin zum Jagen tragen. Jetzt wäre die Gelegenheit für den Kanzler, nicht nur rhetorisch zu führen. Es sieht nicht nach einem schnellen Waffenstillstand aus, aber was heißt das in der Ära Trump schon? Wer Europas Interessen schützen will, muss vorbereitet sein.

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