Kritik nach Sterbehilfe für Noelia

von Redaktion

Noelia Castillo erhielt aktive Sterbehilfe. © Antena3

Madrid – Der Tod einer jungen Frau durch aktive Sterbehilfe hat in Spanien tiefe Bestürzung und Empörung ausgelöst – und das Land regelrecht gespalten. Noelia Castillo erhielt am Donnerstagabend in einem Krankenhaus in Sant Pere de Ribes bei Barcelona gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze, die ihr Leben sofort beendete. Die 25-Jährige hatte eine Querschnittlähmung, die auf einen Suizidversuch nach sexuellen Übergriffen im Jahr 2022 zurückging. „Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe“, hatte Castillo am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders „Antena 3“ gesagt. Sie wolle „endlich gehen, aufhören zu leiden“, sagte sie mit leiser, aber fester Stimme.

Wenige Stunden vor dem Vollzug hatte die Spanische Bischofskonferenz (CEE) bedauert, dass „in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird“. Auf der Plattform X sprach die Bischofskonferenz von einer „Wohlstandsgesellschaft“, die „unfähig ist, zu pflegen und zu lieben“. Als „absolutes Drama“ bezeichnete die sichtlich bewegte Sprecherin der konservativen Volkspartei PP von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo, Ester Muñoz, vor Journalisten den Fall. Der Staat habe versagt. Der Fall müsse die Gesellschaft dazu bringen, viele Dinge zu überdenken, forderte sie. Kritik gab es auch aus Deutschland. „Ohne Zweifel ist das Schicksal von Noelia Castillo tragisch“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Jeder Mensch hat das Recht, seine Therapie zu beenden, auch wenn diese Entscheidung zum Tode führt. Dabei gibt es eine Fülle von Möglichkeiten, das Sterben zu begleiten“, sagte Brysch. Lasse ein Parlament Tötung auf Verlangen gesetzlich zu, befeuere dies aber die gesellschaftliche Spaltung.

Vor dem Vollzug der Sterbehilfe versammelten sich neben Journalisten und Kamerateams auch Dutzende Menschen zu einer Protestkundgebung vor dem Krankenhaus. Sie beteten, sangen und riefen: „Noelia, Du bist nicht allein“, „Wir lieben Dich“, „Kämpfe weiter“ und „Es gibt andere Auswege“. Aktive Sterbehilfe, eine Tötung auf Verlangen also, ist in Spanien für Erwachsene mit unheilbarem oder unerträglichem Leiden auf Betreiben der linken Regierung von Pedro Sánchez seit Juni 2021 erlaubt. Während Gegner vor ethischen Risiken insbesondere bei psychischen Leiden warnen, sehen Befürworter unter anderem in der linksgerichteten Regierung darin eine Bestätigung des Rechts auf Selbstbestimmung. Dem Antrag von Noelia Castillo war von den zuständigen Behörden der Region Katalonien bereits im Sommer 2024 stattgegeben worden.

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